nachgedacht zum Monatsspruch Oktober 2022

Und ich sah, und es war wie ein glä­ser­nes Meer, mit Feu­er ver­mengt; und die den Sieg behal­ten hat­ten über das Tier und sein Bild und über die Zahl sei­nes Namens, die stan­den an dem glä­ser­nen Meer und hat­ten Got­tes Har­fen und san­gen das Lied des Mose, des Knech­tes Got­tes, und das Lied des Lam­mes: Groß und wun­der­bar sind dei­ne Taten, Herr und Gott, du Herr­scher über die gan­ze Schöp­fung. Gerecht und zuver­läs­sig sind dei­ne Wege, du König der Völ­ker. (Offen­ba­rung 15,3)

Wenn ich mir das, was sich in unse­rer Welt abspielt, ver­ge­gen­wär­ti­ge, stei­gen in mir Bil­der und Phan­ta­sien auf, die denen des Johan­nes gar nicht so fern sind. Nur ist das „Tier“ heu­te nicht so leicht zu iden­ti­fi­zie­ren und noch viel schwe­rer zu per­so­na­li­sie­ren und beim „Namen“ zu nen­nen. Dafür ist es aber nicht weni­ger mäch­tig. Alle Lebens­be­rei­che, alle Dimen­sio­nen irdisch-mensch­li­cher Exis­tenz schei­nen „infi­ziert“. Nicht nur das Arbeits- und Sozi­al­le­ben ist davon betrof­fen, auch die Umwelt und das Kli­ma sind krank. Die dabei unter die Räder kom­men sind vie­le. Die Rich­tung scheint klar: Der Unter­gang der Mensch­heit und der Schöp­fung fin­den statt, in unse­rer Gegen­wart. Welch eine Hoff­nungs­lo­sig­keit macht sich da breit.

In die Hoff­nungs­lo­sig­keit zeich­net Johan­nes ein Bild von der Zukunft und bedient sich dabei eines Bil­des aus der Ver­gan­gen­heit: Der Augen­blick, als die Israe­li­ten zurück­schau­ten, auf das Schilfmeer, durch das sie gera­de gezo­gen und in dem nun die Ägyp­ter mit Ross und Rei­ter unter­ge­gan­gen waren. Ungläu­big wer­den sie sich gegen­sei­tig geknif­fen, die Augen gerie­ben haben. Ein Häuf­lein geschwäch­ter Skla­ven hat den Sieg behal­ten über das Impe­ri­um der Ägypter.

Als sie das sahen bra­chen sie begeis­ter­ten in Lob­ge­sang aus: „Sin­get dem Herrn, denn Er hat eine herr­li­che Tat getan!“ Aber die­ser Sie­ges­ju­bel, obwohl damals von einer gan­zen Nati­on ange­stimmt, ist nur ein Flüs­tern, im Ver­gleich zu dem Gesang, der wie mit Don­ner­stim­men ertö­nen wird von den Hei­li­gen aller Zei­ten. Wir alle, die wir mit Jesus gehen, wer­den die­sen unge­heu­ren Chor bil­den. Hier ste­hen die Hei­li­gen Got­tes auf dem Vor­sprung der Ewig­keit, von wo aus sie die gan­ze Geschich­te gött­li­cher Füh­run­gen über­bli­cken kön­nen. Da beten sie den Herrn an, als den König aller Völ­ker und prei­sen Ihn, dass alle sei­ne Wege gerecht und wahr­haf­tig gewe­sen sind. Welch ein Zeugnis!

Am Ende wer­den wir zuschau­en kön­nen, wie die Mäch­te, die uns jetzt bin­den und nie­der­hal­ten, unter­ge­hen wer­den, begra­ben im glä­ser­nen Meer, mit Feu­er ver­mengt. Jetzt mögen wir davon nichts sehen. Aber am Ende wird Gott den Sieg davontragen.
Mit die­sem Bild der Zukunft vor Augen, mit dem Gefühl der Hoff­nung im Her­zen, lässt sich die Gegen­wart gestal­ten. Auch wenn es in unse­ren Zei­ten an Hoff­nung man­gelt: Wir Chris­ten haben eine Visi­on, einen Traum von der zukünf­ti­gen Welt, einem neu­en Him­mel und einer neu­en Erde, wo das alles nicht mehr sein wird: Trä­nen, Leid, Geschrei und Schmerz (Offen­ba­rung 21,4). Amen.

Dirk Lie­bern