nachgedacht zum Monatsspruch Oktober 2022

Und ich sah, und es war wie ein glä­ser­nes Meer, mit Feu­er ver­mengt; und die den Sieg behal­ten hat­ten über das Tier und sein Bild und über die Zahl sei­nes Namens, die stan­den an dem glä­ser­nen Meer und hat­ten Got­tes Har­fen und san­gen das Lied des Mose, des Knech­tes Got­tes, und das Lied des Lam­mes: Groß und wun­der­bar sind dei­ne Taten, Herr und Gott, du Herr­scher über die gan­ze Schöp­fung. Gerecht und zuver­läs­sig sind dei­ne Wege, du König der Völ­ker. (Offen­ba­rung 15,3)

Wenn ich mir das, was sich in unse­rer Welt abspielt, ver­ge­gen­wär­ti­ge, stei­gen in mir Bil­der und Phan­ta­sien auf, die denen des Johan­nes gar nicht so fern sind. Nur ist das „Tier“ heu­te nicht so leicht zu iden­ti­fi­zie­ren und noch viel schwe­rer zu per­so­na­li­sie­ren und beim „Namen“ zu nen­nen. Dafür ist es aber nicht weni­ger mäch­tig. Alle Lebens­be­rei­che, alle Dimen­sio­nen irdisch-mensch­li­cher Exis­tenz schei­nen „infi­ziert“. Nicht nur das Arbeits- und Sozi­al­le­ben ist davon betrof­fen, auch die Umwelt und das Kli­ma sind krank. Die dabei unter die Räder kom­men sind vie­le. Die Rich­tung scheint klar: Der Unter­gang der Mensch­heit und der Schöp­fung fin­den statt, in unse­rer Gegen­wart. Welch eine Hoff­nungs­lo­sig­keit macht sich da breit.

In die Hoff­nungs­lo­sig­keit zeich­net Johan­nes ein Bild von der Zukunft und bedient sich dabei eines Bil­des aus der Ver­gan­gen­heit: Der Augen­blick, als die Israe­li­ten zurück­schau­ten, auf das Schilfmeer, durch das sie gera­de gezo­gen und in dem nun die Ägyp­ter mit Ross und Rei­ter unter­ge­gan­gen waren. Ungläu­big wer­den sie sich gegen­sei­tig geknif­fen, die Augen gerie­ben haben. Ein Häuf­lein geschwäch­ter Skla­ven hat den Sieg behal­ten über das Impe­ri­um der Ägypter.

Als sie das sahen bra­chen sie begeis­ter­ten in Lob­ge­sang aus: „Sin­get dem Herrn, denn Er hat eine herr­li­che Tat getan!“ Aber die­ser Sie­ges­ju­bel, obwohl damals von einer gan­zen Nati­on ange­stimmt, ist nur ein Flüs­tern, im Ver­gleich zu dem Gesang, der wie mit Don­ner­stim­men ertö­nen wird von den Hei­li­gen aller Zei­ten. Wir alle, die wir mit Jesus gehen, wer­den die­sen unge­heu­ren Chor bil­den. Hier ste­hen die Hei­li­gen Got­tes auf dem Vor­sprung der Ewig­keit, von wo aus sie die gan­ze Geschich­te gött­li­cher Füh­run­gen über­bli­cken kön­nen. Da beten sie den Herrn an, als den König aller Völ­ker und prei­sen Ihn, dass alle sei­ne Wege gerecht und wahr­haf­tig gewe­sen sind. Welch ein Zeugnis!

Am Ende wer­den wir zuschau­en kön­nen, wie die Mäch­te, die uns jetzt bin­den und nie­der­hal­ten, unter­ge­hen wer­den, begra­ben im glä­ser­nen Meer, mit Feu­er ver­mengt. Jetzt mögen wir davon nichts sehen. Aber am Ende wird Gott den Sieg davontragen.
Mit die­sem Bild der Zukunft vor Augen, mit dem Gefühl der Hoff­nung im Her­zen, lässt sich die Gegen­wart gestal­ten. Auch wenn es in unse­ren Zei­ten an Hoff­nung man­gelt: Wir Chris­ten haben eine Visi­on, einen Traum von der zukünf­ti­gen Welt, einem neu­en Him­mel und einer neu­en Erde, wo das alles nicht mehr sein wird: Trä­nen, Leid, Geschrei und Schmerz (Offen­ba­rung 21,4). Amen.

Dirk Lie­bern

nachgedacht zum Monatsspruch September 2022

Gott lie­ben, das ist die aller­schöns­te Weis­heit. (Sirach 1,10)

Die­ser Monats­spruch wur­de dem Buch Sirach aus den soge­nann­ten Apo­kry­phen ent­nom­men. Die­se Apo­kry­phen sind in den Bibel­über­set­zun­gen der evan­ge­li­schen Kir­chen sel­ten, meis­tens aber gar nicht ent­hal­ten. Mar­tin Luther schrieb dazu: „Das sind Bücher, so der hei­li­gen Schrift nicht gleich gehal­ten und doch nütz­lich und gut zu lesen sind.“

Als ers­tes frag­te ich mich nach dem Lesen die­ses Spru­ches: „Kann Weis­heit schön sein?“ Nach und nach merk­te ich dann, dass es ver­mut­lich ver­schie­de­ne Arten von Weis­heit gibt. Viel­leicht gibt es eine trau­ri­ge, eine neu­tra­le und eben auch eine schö­ne Weis­heit u.a..

Als mei­ne Frau nach einer schwe­ren Herz­ope­ra­ti­on von den Ärz­ten auf­ge­ge­ben wor­den war, sag­te uns der ver­ant­wort­li­che Arzt: „Ich stel­le jetzt die Gerä­te ab, denn meh­re­re Orga­ne arbei­ten nicht mehr.“ Wir konn­ten die­sem Ent­schluss nur des­halb zustim­men, weil wir wuss­ten, dass mei­ne Frau in Got­tes Hän­den gebor­gen ist und dass Gott kei­ne Feh­ler macht. Ich geste­he, dass ich spä­ter immer wie­der ein­mal dach­te, ob es nicht doch „schö­ner“ gewe­sen wäre, wenn man ver­sucht hät­te, mei­ne Frau noch ein­mal zu reani­mie­ren, um viel­leicht mehr Zeit zum Abschied von ihr zu haben. Meis­tens kam ich dann aber ziem­lich schnell zu dem Schluss, dass mit einem sol­chen Vor­ge­hen, wenn es über­haupt mög­lich gewe­sen wäre, sehr vie­le Risi­ken ver­bun­den gewe­sen wären und das Ster­ben mei­ner Frau wahr­schein­lich viel schwe­rer gefal­len wäre als so. Der Ent­schluss, die Gerä­te abzu­stel­len, war also ver­mut­lich sehr wei­se, eine trau­ri­ge Weis­heit, eine uns Zurück­ge­blie­be­nen trau­rig stim­men­de Weis­heit, die Got­tes Wil­len entsprach.

Vor Jah­ren sprach ich ein­mal mit einem Unfall­chir­ur­gen über sei­ne Arbeit. Ich sag­te ihm, dass ich es mir als sehr schwer vor­stel­le, wenn er die ver­letz­ten Men­schen nach allen Regeln der medi­zi­ni­schen Kunst wie­der in Ord­nung brin­gen muss und will. Dar­auf ant­wor­te­te er mir, dass das gar nicht so schlimm sei, weil er ja kei­ne Schuld an ihrem bedau­erns­wer­ten Zustand hät­te. Ich fand die­se Grund­hal­tung sehr wei­se und für den Arzt ver­mut­lich auch hilf­reich. Man könn­te sie viel­leicht einer neu­tra­len Weis­heit zuord­nen: Der Arzt tut alles, was mög­lich ist, aber er hat kei­ne Schuldgefühle.

Wie­so kann nun die Lie­be zu Gott als aller­schöns­te Weis­heit ange­se­hen wer­den? Ich glau­be jetzt, dass die Ant­wort gar nicht so schwer ist: Die Lie­be zu Gott betrifft sein bibli­sches Wort, nach dem wir unser Leben aus­rich­ten kön­nen. Die Lie­be zu Gott umfasst die dau­ern­de Mög­lich­keit mit ihm zu spre­chen und ihm alle unse­re Anlie­gen vor­tra­gen zu kön­nen. Die Lie­be zu Gott gip­felt in dem Glau­ben, dass wir durch Jesus Chris­tus tat­säch­lich Got­tes gerecht gemach­te Kin­der sind. Und die Lie­be zu Gott ent­hält auch den Glau­ben und die Hoff­nung auf eine Zukunft im Him­mel, in der es unüber­treff­lich schön sein wird. Also ist die Lie­be zu Gott die aller­schöns­te Weis­heit, die man sich den­ken und wün­schen kann.

Euer Peter Mohr

nachgedacht zum Monatsspruch August 2022

Jubeln sol­len die Bäu­me des Wal­des vor dem Herrn, denn er kommt, um die Erde zu rich­ten. 1. Chro­nik 16,33

So ein Vers in einer Chro­nik? Liest man den gan­zen Text, sieht man schon am Druck, dies ist ein „Dank­lied Davids“, ver­gleich­bar mit den Psal­men. Und in Ps. 96 fin­den wir genau die­sel­ben Wor­te. Davids Dank bezieht immer wie­der die Natur in die­ses Lob, den Jubel mit ein. (Wie spä­ter Franz von Assi­si) Und dann der Bruch: der Herr kommt die Erde zu richten!

Mit­ten im Lob? Liest man ande­re Psal­me, so gibt es die­se Ver­bin­dung immer wie­der. Ps. 96 trägt dem zu Fol­ge auch die Über­schrift: „Der Schöp­fer und Rich­ter der Welt“. Wir sehen Gott oft nur als den, der in mei­ne aktu­el­le Situa­ti­on passt: ent­we­der Vater oder Schöp­fer oder Herr­scher der Welt oder All­wis­sen­der oder oder… Dabei ist Gott doch alles gleich­zei­tig! So ist der Herr, dem sogar die Bäu­me zuju­beln, auch der Herr, dem allein die Macht über die Welt zu rich­ten zusteht. Ein im ers­ten Moment leich­ter, aber sehr inhalts­schwe­rer Vers.

Mari­an­ne Stemmler

nachgedacht zum Monatsspruch Juli 2022

Mei­ne See­le dürs­tet nach Gott, nach dem leben­di­gen Gott. Psalm 42,3

Wenn ich aus mei­nem Bade­zim­mer kom­me, fällt mein Blick als ers­tes auf mei­nen Kalen­der mit den Monats­sprü­chen. Der Text, ziem­lich klein, ist durch ein gro­ßes Foto interpretiert.

Auf das Bild für Juli freue ich mich sehr. Dort sitzt ein Spatz auf der Spit­ze einer alten, defek­ten Pum­pe, die tropft. Der Spatz beugt sich sehr tief, er steht fast Kopf, um mit sei­nem Schna­bel an das Was­ser zu kom­men. Er tut alles um sei­nen Durst zu stil­len. Genau­so beschreibt der Psalm­be­ter sei­ne Bezie­hung zu Gott, mit die­sem „Durst“. Geht es uns, geht es mir auch so? Ver­ren­ke ich mich, mache ich alles, wirk­lich alles, um Kon­takt zu Gott zu bekom­men? Der Spatz braucht das Was­ser um zu über­le­ben. Brau­che ich Gott um zu über­le­ben? Ver­ges­se ich in all dem Über­fluss, den ich genie­ße, dass mei­ne See­le mehr braucht?

In der Guten Nach­richt Bibel ist der Psalm über­schrie­ben mit „Hoff­nung in größ­ter Not“.

Ver­ges­se ich in allen Man­gel­si­tua­tio­nen über der Not, dem Leid mei­ne Suche nach der „Quel­le des Heils“, dem „Was­ser des Lebens“, den „leben­di­gen Gott“? Was tun Tie­re nicht alles um an Was­ser zu kom­men? Wie sehr dürs­tet mei­ne See­le nach Gott?

Mari­an­ne Stemmler

nachgedacht zum Monatsspruch Juni 2022

»Lege mich wie ein Sie­gel auf dein Herz, wie ein Sie­gel auf dei­nen Arm. Denn Lie­be ist stark wie der Tod.« (Hohes­lied 8,6)

Lie­be und Tod, das ist der Stoff für Roma­ne, Dra­men und gro­ßes Kino. In bei­den Fel­dern geht es um grund­le­gen­de und wich­ti­ge Grö­ßen in unse­rem Leben: Der Tod gefähr­det unser Leben an sich. Bei der Lie­be geht es um Part­ner­schaft, und damit um die Fami­lie, um Nach­kom­men, in der Anti­ke auch um die Alterssicherung.

Neu­lich war ich in einem indi­schen Restau­rant. Das Essen war aus­ge­zeich­net. Etwas befremd­lich wirk­te auf mich der rie­si­ge Moni­tor, auf dem (immer­hin stumm­ge­schal­tet) indi­sche Musik­vi­de­os in Bol­ly­wood-Manier lie­fen. Immer ging es um Lie­be, um Sehn­sucht, um Eifer­sucht. Jun­ge Leu­te zwi­schen 20 und 30 Jah­ren tanz­ten, fuh­ren in schnel­len Autos, bevor­zugt vor das Anwe­sen der Ange­be­te­ten. Einer­seits stör­te mich die Bunt­heit und das Über­trie­be­ne. Ande­rer­seits dach­te ich an den Monats­spruch aus dem Hohen­lied. Die­ses Durch­ein­an­der der Gefüh­le, das war in den indi­schen Musik­vi­de­os mit schnel­len Schnit­ten gut eingefangen.

Trotz aller Ver­klä­rung als Gleich­nis­dich­tung zwi­schen Gott und sei­ner Gemein­de: Das Hohe­lied bleibt Lie­bes­ly­rik, und zwar sehr schö­ne. Nicht umsonst kann Lie­be in Men­schen die bes­ten Sai­ten zum Klin­gen brin­gen, und der Wunsch, dem gelieb­ten Gegen­über zu gefal­len, bewirkt man­che Verhaltensänderungen.

Den Tod hat Chris­tus über­wun­den – das ist Ostern. Wie ist es mit der Lie­be zu Gott und zu den ande­ren: Wer­den wir von ihr erfasst? Wenn wir es zulas­sen, dass die star­ken Emo­tio­nen uns ergrei­fen, dann fürch­ten man­che gleich Schwär­mer­tum, pfingst­le­ri­sche Gesin­nung, kurz: Alles, was den geord­ne­ten Glau­ben in Unord­nung brin­gen kann.

Als jemand, der meist nüch­tern denkt, fin­de ich hier und zu die­sem Text: Wäre es nicht gut, wenn aus dem abge­klär­ten, etwas stei­fen Glau­ben eine neue Lie­be sich ent­wi­ckel­te? Wenn wir uns nach der Nähe zu Gott (zu sei­nem Herz und sei­ner Hand) ver­zehr­ten? – Alles über­trie­ben? – Ent­schei­den Sie selbst…

Frank Weber

nachgedacht zum Monatsspruch Mai 2022

Ich wün­sche dir in jeder Hin­sicht Wohl­erge­hen und Gesund­heit, so wie es dei­ner See­le wohl­ergeht. (3. Johan­nes 2)

Wer nimmt nicht ger­ne so einen Wunsch ent­ge­gen und hofft auf sei­ne Erfül­lung. Der Ver­fas­ser des drit­ten Johan­nes­brie­fes schreibt das an einen Freund, »den gelieb­ten Gai­us«, einen Chris­ten, der uns sonst unbe­kannt ist. Er ist einer der Ver­trau­ens­leu­te, die der Brief­schrei­ber in der Gemein­de, zu der Gai­us gehört, noch hat. In der Gemein­de hat näm­lich ein gewis­ser Dio­tre­phes die Ober­hand gewon­nen, der gegen den Gemein­de­lei­ter und sei­ne Anhän­ger agiert. Da der Kon­flikt sich aber wohl inner­halb einer der johann­ei­schen Gemein­den abspielt, liegt es nahe, ihn mit der Aus­ein­an­der­set­zung um die Irr­leh­rer zu ver­bin­den. Von Gai­us, an wel­chen Johan­nes schreibt, wird her­vor­ge­ho­ben, dass es sei­ner See­le wohl­erging. Johan­nes meint hier­mit an die­ser Stel­le das Innen­le­ben von Gai­us, nament­lich sei­nen Glau­ben und Johan­nes bringt mit dem Wunsch zum Aus­druck, dass es ihm in sei­ner Gesund­heit eben­so wohl­erge­hen möge. Viel­leicht war Gai­us nicht mit gro­ßer kör­per­li­cher Kraft geseg­net, um viel ertra­gen zu kön­nen, wenn es um Streit­fra­gen ging; aber sein Wan­del in der Wahr­heit Got­tes und sei­ne treue Für­sor­ge und Lie­be zu denen, die das Werk des Herrn wei­ter­ge­tra­gen haben, waren sehr lobens- und erwäh­nens­wert. Mit der Wahr­heit ist die Wahr­heit über Jesus gemeint, die durch die Apos­tel ver­kün­det wird. Gai­us glaubt die­ser Bot­schaft und führt ein Leben in Lie­be zu Gott und den Mit­men­schen, ins­be­son­de­re den Glau­bens­ge­schwis­tern. Gai­us kann­te die Wahr­heit nicht nur, son­dern hat­te sie bis dahin so ange­nom­men, dass er dar­in wan­del­te. Der Aus­druck in der Wahr­heit zu „wan­deln“, zeigt, dass die Wahr­heit sein gan­zes Leben präg­te. Anders gesagt, hat­te er Jesus, sein Werk und sei­nen Wil­len so tief ver­in­ner­licht, dass Jesus sein Den­ken, Reden und prak­ti­sches Leben bestimm­te. Wahr­heit und die Nächs­ten­lie­be gehö­ren untrenn­bar zusam­men und sind das Mar­ken­zei­chen von uns Chris­ten. Hil­fe an unse­ren Mit­men­schen ist gera­de in der jet­zi­gen Zeit an vie­len Stel­len gefragt. Was kann uns Bes­se­res pas­sie­ren, als Mit­hel­fen zu kön­nen. Ich wün­sche uns allen, dass die­ser Satz aus dem 3. Johan­nes­brief eine Hil­fe und ein Ansporn dafür ist, dass es unse­rer See­le gut geht.

S. Schü­ring

nachgedacht zum Monatsspruch April 2022

Maria von Mag­da­la kam zu den Jün­gern und ver­kün­de­te ihnen: Ich habe den Herrn gese­hen. Und sie berich­te­te, was er ihr gesagt hat­te.“ Johan­nes 20,18 (E)

Maria von Mag­da­la – in Lukas 8, 2 erfah­ren wir, dass Jesus sie von sie­ben Dämo­nen befreit hat. Jesus holt die­se Frau, die so gut wie kei­ne Mög­lich­kei­ten mehr hat am Leben und an der Gesell­schaft teil­zu­neh­men, die sich kom­plett auf­ge­ge­ben hat, wie­der ins Leben zurück. Die Hei­lung eines Men­schen ist aber nicht nur ein schö­nes Phä­no­men in der Bibel – es ist auch eine Auf­for­de­rung an uns, ein Mut machen­des Bild, dass wir mit unse­ren Dämo­nen, unse­ren Unzu­läng­lich­kei­ten und unse­rem Leid zu Jesus gehen und ihn um Hil­fe bit­ten können.

Maria von Mag­da­la hat sich Jesus ange­schlos­sen, ist mit ihm gegan­gen und hat ihm zuge­hört: Jesus rede­te von Gott – anders als so vie­le andere:

Gott will das vol­le Leben für alle Men­schen. Und Maria erlebt, wie Jesus den Men­schen nahe war, wie er gehol­fen hat, die Augen geöff­net hat. Als Jesus nach Jeru­sa­lem geht, geht sie gemein­sam mit ihm und sei­nen Freunden.

Und dann erlebt sie dort das Ent­setz­li­che: Jesus wird ver­haf­tet, ver­ur­teilt und gekreu­zigt – er stirbt einen bit­te­ren Tod am Kreuz.

Sein Leben ist been­det und schein­bar auch sei­ne Bot­schaft vom Leben.

Maria hat nichts mehr in den Hän­den – nichts ist ihr geblie­ben als Ver­zweif­lung und Trau­er. Ich kann mir kaum vor­stel­len, wie es Maria in die­ser Situa­ti­on gegan­gen sein muss. Ich den­ke dabei an Men­schen, deren Hoff­nun­gen ent­täuscht wer­den. Men­schen, die etwas Lie­bes verlieren.

Lebens­ent­wür­fe, die schön erdacht sind – dann aber doch nicht Wirk­lich­keit wer­den, son­dern bru­tal been­det wer­den. Krank­heit, Tod, Ver­sa­gen, Tren­nung, Schuld, Lei­den unter Gewalt. All das fin­det gera­de statt.

Doch dann berich­tet die Bibel von Mari­as wun­der­ba­rer Begeg­nung. Sie steht dort in dem Gar­ten – alle ihre Hoff­nun­gen waren zunich­te gemacht.

Nicht ein­mal den toten Jesus kann sie mehr errei­chen. Doch dann hört sie eine Stim­me: „Frau, was weinst du, wen suchst du?“ Maria – in der Annah­me, es sei der Gärt­ner, der da spricht, – ant­wor­tet: „Herr, hast du ihn weg­ge­tra­gen, so sage mir, wo du ihn hin­ge­legt hast, so will ich ihn holen?“ Dann hört sie ihren Namen: „Maria!“ Und dann begreift sie, wen­det sich um und sagt: „Rab­bu­ni!“ Das heißt: Meister.

Es ist für mich eine der emp­find­sams­ten Text­stel­len in der Bibel. Nur ein paar Wor­te: Sage mir wo er ist. Maria – Rab­bu­ni – und dann weiß Maria, dass das Leben tri­um­phiert hat. Dass es Hoff­nung gibt. „Ich habe den Herrn gese­hen!“ Nach die­ser Oster­er­fah­rung, nach der Begeg­nung mit dem Auf­er­stan­de­nen, kann Maria neu los­ge­hen. Sie wird zur „Apos­te­lin der Apostel.“

Ostern – das ist nicht bloß die­ses ein­ma­li­ge Gesche­hen damals in Jeru­sa­lem. Ostern ist nicht ein­fach – Ostern will wer­den. Gott zeigt uns, dass das Leben sie­gen wird, dass Recht und Gerech­tig­keit sie­gen wer­den, Gott zeigt, dass die Lie­be stär­ker ist als die Lebensverachtung.

Und so bleibt der Wunsch, dass Men­schen neue Kraft, Hoff­nung und Zuver­sicht bekom­men, dass sie Got­tes Güte spü­ren. Es bleibt der Wunsch auf einen Auf­stand für das Leben.

Pas­tor Dirk Liebern

nachgedacht zum Monatsspruch März 2022

Betet alle­zeit mit allem Bit­ten und Fle­hen im Geist und wacht dazu mit aller Beharr­lich­keit und Fle­hen für alle Hei­li­gen. (Ephe­ser 6, 18)

Wel­che Rol­le spielt das Gebet in unse­rem Leben? Ist es eine „For­mel“, die man regel­mä­ßig vor dem Essen spricht oder ein abend­li­ches Ritu­al vor dem Ein­schla­fen? Oder ist es viel mehr als das, viel­leicht ein Zwie­ge­spräch mit unse­rem Schöp­fer, ein Abge­ben aller Freu­den, Nöte und Sor­gen an den, der alles in sei­nen Hän­den hält?
Die Auf­for­de­rung zum Gebet im Ephe­ser­brief fin­den wir direkt hin­ter der Beschrei­bung der geist­li­chen Kampf­aus­rüs­tung. Wir sol­len den Helm des Heils tra­gen, den Brust­pan­zer der Gerech­tig­keit, den Schild des Glau­bens usw. Das Bild eines Sol­da­ten, der in den Krieg zieht – passt das denn zu dem Evan­ge­li­um von Frie­den, Gerech­tig­keit und Lie­be? Glau­bens­kampf – das ist doch eher etwas für über­am­bi­tio­nier­te Chris­ten, die ger­ne mal in die fun­da­men­ta­lis­ti­sche Schub­la­de gesteckt werden.

Aber haben nicht auch wir mit bedroh­li­chen Situa­tio­nen zu tun? Mit Her­aus­for­de­run­gen, die zu groß erschei­nen und bei denen wir manch­mal am liebs­ten den Kopf in den Sand ste­cken wol­len? Und ken­nen wir nicht auch die inne­ren Kämp­fe, die im All­tag aus­zu­fech­ten sind?

Das sind doch die Situa­tio­nen, die Kämp­fe, in denen wir als „Sol­da­ten Got­tes“ einen Unter­schied machen kön­nen. Und hier kommt das Gebet ins Spiel. Gebet ist eben nicht nur eine from­me Übung, son­dern eine erns­te Arbeit, ein Stück des Kamp­fes und der geist­li­chen Rit­ter­schaft. Wie wir lesen, for­dert es unse­ren vol­len Ein­satz, wir sol­len alles geben.

Vier­mal „alles“ – alle­zeit, mit allem Bit­ten und Fle­hen, mit aller Beharr­lich­keit und für alle Hei­li­gen. Das erscheint doch unmög­lich. Die­ses Pro­jekt ist zum Schei­tern ver­ur­teilt, der Kampf ist doch schon verloren.

Oder?

Der Schlüs­sel ist hier der Geist. Wir haben Got­tes Geist emp­fan­gen. Er ist unser Bei­stand und Trös­ter, er ver­tritt uns vor Gott. In Römer 8, 26 lesen wir: „Und auch der Geist Got­tes tritt mit Fle­hen und Seuf­zen für uns ein; er bringt das zum Aus­druck, was wir mit unse­ren Wor­ten nicht sagen kön­nen. Auf die­se Wei­se kommt er uns in unse­rer Schwach­heit zu Hil­fe, weil wir ja gar nicht wis­sen, wie wir beten sol­len, um rich­tig zu beten.“

John Wes­ley sag­te es so: „Bete, ob du kannst oder nicht, ob du fröh­lich oder betrübt bist. Bete, mit vie­len Wor­ten, mit weni­gen Wor­ten oder ganz ohne Worte.“

Lasst uns doch ein­mal neu das Gebet im Geist aus­pro­bie­ren. Viel­leicht geht jetzt bei der einen oder dem ande­ren auch wie­der eine Schub­la­de auf – viel zu abge­ho­ben, viel zu cha­ris­ma­tisch. Aber ich bin über­zeugt, dass uns schon alles von Gott geschenkt ist, was wir für unse­ren per­sön­li­chen Glau­bens­kampf brau­chen. Wir müs­sen nur die rich­ti­gen Quel­len anzap­fen. Und die­se Quel­le, Got­tes Geist, ist schon in uns drin. (Und wenn wir uns da nicht so sicher sind, dann lasst uns ihn ein­la­den, in uns zu wohnen.)

Dann kön­nen wir mit John Wes­ley beten:

Hoch­ge­lob­ter Erlö­ser, sei du alles, was mein Herz ver­langt, Raum und Ziel mei­nes Lebens. Wenn ich auf­wa­che, bli­cke ich auf dich, und wenn ich auf­ste­he, nei­ge ich mich zuerst demü­tig vor dir. Wäh­rend des Tages will ich mei­ne Gedan­ken immer wie­der auf dich rich­ten, und wenn ich mich zur Ruhe bege­be, will ich mei­ne Augen mit einem Blick auf dich schlie­ßen. Jeden Tag will ich neu von der Herr­lich­keit dei­nes Rei­ches reden; und Nacht für Nacht will ich dei­ner gro­ßen Güte und dei­ner freund­li­chen Gna­den­er­wei­se geden­ken, die sich in allen dei­nen Wer­ken zei­gen. So soll mei­ne Zeit von dei­ner Gna­de bestimmt und mei­ne Ewig­keit mit dei­ner Herr­lich­keit gekrönt sein.
Amen.

Vio­la Liebern

Eine Erfahrung zur Mitmachwerkstatt »Feedback geben, als Christ erst recht«

Zukunft Bezirk Han­no­ver Johanneskirche

Eine Erfah­rung zur Mit­mach­werk­statt »Feed­back geben, als Christ erst recht«

Cori­na Milek hat die Gemein­de an einem Sonn­abend­nach­mit­tag im Febru­ar zu einer online-Schu­lung zu die­sem The­ma ein­ge­la­den. Ach nöööö, nicht jetzt auch noch Zoom in der Frei­zeit – das ging sicher man­chem durch den Kopf, als er sich NICHT ange­mel­det hat, oder? Schade!

Cori­na hat uns gezeigt, dass eine online-Schu­lung rich­tig Spaß machen kann. Wir alle zusam­men vor unse­ren Com­pu­tern oder Tablets, so hat Cori­na uns eine Ein­füh­rung in das The­ma gege­ben. Für man­che Gesprä­che wur­den wir auch in Klein­grup­pen zusam­men­ge­führt. Jeder konn­te sich so ein­brin­gen, wie es für ihn passte.

Eini­ge haben eine kur­ze Geschich­te erzählt, über sich oder ande­re. Es gab Geschich­ten, in denen es rich­tig gut geklappt hat, jeman­den nett zu sagen, wo er sich viel­leicht noch bes­ser ver­hal­ten könn­te. Es wur­den aber auch Bei­spie­le gege­ben, in der so ein »Ver­bes­se­rungs­vor­schlag« als har­sche Kri­tik emp­fun­den wur­de, die man dann nicht so leicht auf­neh­men konnte.

Es ist wirk­lich lus­tig, alle Teil­neh­mer etwa brief­mar­ken­groß auf dem Moni­tor zu sehen, und mit ihnen reden zu kön­nen, als säßen wir alle im Wesley-Cafe.

Mal gucken, viel­leicht geht es ja in die zwei­te Run­de – dann sind wie­der alle herz­lich ein­ge­la­den mit­zu­ma­chen. Oder eben ein­fach nur zuzu­hö­ren – auch das ist erlaubt 😊.

Ein Teil­neh­mer, der auch nächs­tes mal gern wie­der mitmacht.

P.S.: Nur Kaf­fee und Kek­se – da müs­sen die in der Tech­nik noch dran arbei­ten, dass wir damit wäh­rend der Ver­an­stal­tung ver­sorgt werden.

nachgedacht zum Monatsspruch Februar 2022

»Zürnt ihr, so sün­digt nicht; lasst die Son­ne nicht über eurem Zorn unter­ge­hen.« (Ephe­ser 4,26)

Da hat der Pau­lus in sei­nem Brief an die Ephe­ser doch eine kla­re, eine ein­deu­ti­ge Auf­for­de­rung: wenn ihr schon zor­nig seid, dann sün­digt dabei aber nicht. Aber was noch sehr viel wei­ter­ge­hen­der ist: wenn ihr zor­nig seid, dann seid das nur für die­sen einen Tag!

Und genau da bin ich beim Kern die­ser Auf­for­de­rung: Pau­lus schreibt an die Ephe­ser nicht, dass sie ihren Ärger, ihren Zorn her­un­ter­schlu­cken sol­len. Gera­de in »Coro­na-Zei­ten« mit den unter­schied­lichs­ten auf­ein­an­der­pral­len­den Ansich­ten ist es hilf­reich, wenn wir uns die­se Auf­for­de­rung des Pau­lus immer wie­der vor Augen füh­ren. Schaue ich in die­sem Aspekt auf mich selbst, wie schnell ich manch­mal ärger­lich und zor­nig wer­de, dann ist die­se Bit­te an mich durch­aus berechtigt:

Neh­me ich mei­nen Ärger, mei­nen Zorn mit ins Bett, oder brin­ge ich die­sen vor Gott?

Im dar­auf­fol­gen­den Vers 27 heißt es nach der Bibel­über­set­zung von
Ber­ger: »Und gebt dem Satan kei­nen Fin­ger­breit Raum.«

Impli­zit steckt dar­in also die Auf­for­de­rung an uns Chris­ten: Gebt Eure Ärger­nis­se, Euren Zorn wei­ter, gebt die­se Ärger­nis­se, die­sen Zorn ab an Gott! Denn sonst steht ihr in Gefahr, dem Satan Raum in Eurem Leben zu geben. Und tut dies bit­te, bevor ihr ins Bett geht!

Wenn ich dann wie­der auf mich selbst schaue, ist es manch­mal aber so, dass ich genau die­ses aber gar nicht möch­te: Ich will wei­ter ärger­lich und zor­nig sein und mich über die­sen Men­schen oder die­se Situa­ti­on auf­re­gen und erei­fern. Aber genau davor warnt der Pau­lus in sei­nem Brief an die Ephe­ser ganz ausdrücklich.

Ich sehe an mir selbst wie wich­tig es ist, dass ich mir die­se Auf­for­de­rung eben immer und immer wie­der vor Augen füh­re. Denn wenn Gott den gesam­ten Raum in mei­nem Her­zen ein­nimmt, wird das spür­ba­re Aus­wir­kun­gen auf mei­ne gesam­te Umge­bung haben. Denn Gott ist grö­ßer als mein Ärger und mein Zorn!

Einen ganz herz­li­cher Gruß

Euer E. M.