nachgedacht zum Monatsspruch September 2021

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und wer­det doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durs­tig; ihr klei­det euch, und kei­nem wird warm; und wer Geld ver­dient, der legt’s in einen löch­ri­gen Beu­tel. (Hag 1,6 (L))

Nach der Zer­stö­rung der bei­den Rei­che Isra­el und Juda Anfang des 6. Jahr­hun­derts v. Chr. wur­de ein wesent­li­cher Teil der Bevöl­ke­rung Judä­as in die baby­lo­ni­sche Gefan­gen­schaft geführt und dort ange­sie­delt. Nach dem Ende des Exils und der Rück­kehr eines Teils der nach Baby­lon ver­schlepp­ten Judä­er begann man im Jah­re 535 v. Chr. mit dem Wie­der­auf­bau des gut 60 Jah­re zuvor zer­stör­ten Tem­pels, der auf den König Salo­mo zurück­ging. Seit knapp 20 Jah­ren ist das Volk Isra­el aus der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft in die Hei­mat zurück­ge­kehrt. So nach und nach sie­del­ten sich die Juden wie­der in und um Jeru­sa­lem an, nach­dem sie über vie­le Jah­re in der Frem­de leben muss­ten. Auf der einen Sei­te waren sie froh, wie­der in der Hei­mat zu sein, auf der ande­ren Sei­te kämpf­ten sie um ihr Über­le­ben. Feind­lich gesinn­te Bewoh­ner und Hun­gers­not brach­ten sie in enor­me Schwie­rig­kei­ten. Man kämpft erst ein­mal ums Über­le­ben. Wo soll man woh­nen? Woher bekommt man Äcker, um sie zu bebau­en? Denn das Land ist besetzt von den Men­schen, die in Isra­el geblie­ben sind, die sich teil­wei­se mit den Baby­lo­ni­ern ver­mischt haben. Es gilt erst ein­mal wie­der Fuß zu fas­sen. Über­all sieht man noch die Spu­ren der Zer­stö­rung von damals. Man hat zwar auch mit dem Bau des Tem­pels ange­fan­gen. Aber dann gibt es Pro­ble­me mit den Beset­zern. Erst ein­mal ist Bau­stopp ange­sagt. Inzwi­schen darf wei­ter­ge­baut wer­den. Aber die Eupho­rie des Anfangs ist weg und es war nicht ein­fach, die Bevöl­ke­rung von der Not­wen­dig­keit des Tem­pels zu über­zeu­gen. Dar­um ver­such­te Hag­gai im Jahr 520 vor unse­rer Zeit­rech­nung eine Ver­bin­dung zwi­schen dem Bau des Tem­pels und dem wirt­schaft­li­chen Wohl­erge­hen des Lan­des her­zu­stel­len, indem er sagt, ihre ern­tet des­halb wenig und habt wenig zu essen und zu trin­ken, kei­ne war­me Klei­dung und wenig Geld, weil wir Gott kei­nen Raum geben. Wenn wir ihm einen Raum geben, indem er auf beson­de­re Wei­se gegen­wär­tig sein kann, wird der Rest dann von allein fol­gen. Der Tem­pel steht für die Gegen­wart Got­tes! Im Tem­pel konn­te man ihm begeg­nen, Ver­söh­nung erfah­ren, ihn anbe­ten und Wei­sung emp­fan­gen. Die Men­schen erfass­ten nicht die Kost­bar­keit der Gegen­wart Got­tes. Das Haupt­pro­blem waren weder die Fein­de noch die man­geln­de Ver­sor­gung, son­dern es war ihr Herz, dass ande­ren Din­gen den Vor­rang gab.

Hag­gais mah­nen­de Wor­te hat­ten Erfolg und die Judä­er gin­gen wie­der an die Arbeit und bau­ten den Tem­pel zu Ende. Wahr­schein­lich nicht ganz so pracht­voll wie der ers­te Tem­pel von König Salo­mo. Dem Volk Isra­el sagt Gott durch Hag­gai: Jetzt, wo ihr an dem Tem­pel arbei­tet, bin ich mit euch!

Auch unse­re Gemein­de hat in den ver­schie­dens­ten Räu­men ihre Zusam­men­künf­te abge­hal­ten, ange­mie­te­te Räu­me, Wohn­zim­mer, als Unter­mie­ter in der Niko­lai­ka­pel­le, in einer Well­blech­hüt­te auf dem Georgs­platz, und jetzt fast 70 Jah­re in der Johan­nes­kir­che. Es kommt nicht auf die Schön­heit und Aus­stat­tung an, der Raum muss nicht beson­ders pracht­voll sein, son­dern wir wol­len Gott einen Raum geben, wo er uns ganz für sich hat, wir nicht abge­lenkt wer­den und wir ihm ganz nah sind. Gott lässt sich nicht mit Gold und Sil­ber und den schöns­ten Male­rei­en von uns beein­dru­cken. Ja, auch wir wis­sen nicht, wohin wir säen und was unse­re Wor­te bewirken.

Durch die Coro­na Pan­de­mie konn­ten wir eine Zeit­lang kei­ne Got­tes­diens­te in unse­ren Räu­men abhal­ten oder nur ein­ge­schränkt. Wie gut tun uns jetzt die Sonn­ta­ge, an denen wir wie­der bei den Prä­senz­got­tes­diens­ten dabei sein kön­nen. Wir füh­len, wie gut es für uns ist, mit Glau­bens­ge­schwis­tern an der Sei­te Gott zu loben, zu beten und auf sein Wort zu hören. Gott ist da, wenn wir sei­ne Nähe suchen. Wir wis­sen es aus sei­ner Zusa­ge zu uns, und manch­mal spü­ren wir es sogar.

S. Sch.

nachgedacht zum Monatsspruch August 2021

Nei­ge, HERR, dein Ohr und höre! Öff­ne, HERR, dei­ne Augen und sieh her!“ (2. Köni­ge 19,16)

Lie­be Geschwis­ter, lie­be Freunde!

Schrift­li­che Mit­tei­lun­gen haben ein eige­nes Gewicht. Was wir schwarz auf weiß zu lesen bekom­men, beein­druckt uns: Eine auf­wüh­len­de Nach­richt in der Zei­tung, aber auch der ableh­nen­de Bescheid einer Behör­de, eine Kün­di­gung, ein ärzt­li­cher Befund, eine uner­war­tet hohe Rech­nung. Sol­che Mit­tei­lun­gen gehen uns ans Herz und an die Nieren.

Das Gebet, das uns in die­sem Monat beglei­tet, stammt aus dem Her­zen und dem Mund des Königs Hiskia (um 700 v.Chr. in Jeru­sa­lem). Er hat­te einen Brief mit nie­der­schmet­tern­den Fak­ten bekom­men. San­he­rib, der König Assy­ri­ens, ließ ihm aus­rich­ten, dass die Tage des Reichs Juda gezählt sei­en und kein Gott die­ser Welt es ver­hin­dern wür­de. Dabei zähl­te San­he­rib die Völ­ker auf, die er bereits erobert hat­te. Die Fak­ten der Geschich­te sprä­chen gegen Hiskia und das Volk Juda.

Was mach­te Hiskia damit? Hiskia hat­te sicher Angst vor dem, was er gele­sen hat­te. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit den Assy­rern mach­te ihn fer­tig, wie man in 2. Köni­ge 18+19 nach­le­sen kann. Aber Hiskia wuss­te auch, dass er mit allem zu Gott kom­men konn­te. Er nahm den Brief mit in den Tem­pel und brei­te­te ihn vor dem HERRN aus.

Die­se Ges­te berührt mich sehr. Sie zeigt, wie ein­fach und selbst­ver­ständ­lich wir mit dem umge­hen kön­nen, was uns zu schaf­fen macht. Eine schrift­li­che Nach­richt, eine Mail, eine Mes­sa­ge, eine Gesprächs­no­tiz – wir kön­nen und dür­fen es buch­stäb­lich vor Gott hin­le­gen und aus­brei­ten. Den schwie­ri­gen Brief kön­nen wir vor einem Kreuz offen aus­brei­ten. Das Smart­pho­ne mit der bösen Nach­richt kön­nen wir auf die eige­ne auf­ge­schla­ge­ne Bibel legen. Und wir dür­fen beten: „Nei­ge, HERR, dein Ohr und höre! Öff­ne, HERR, dei­ne Augen und sieh her!“ In solch einer Ges­te und dem Gebet kommt unser Glau­be an Jesus Chris­tus zum Ausdruck.

Wir glau­ben an einen HERRN, der lebt. Jesus Chris­tus hat den Tod über­wun­den. Das unter­schei­det ihn von allem ande­ren, was in die­ser Welt gedacht, geglaubt und für rich­tig gehal­ten wird. Kei­ne Macht der Welt kann ihn über­win­den. Er ist der HERR in Ewigkeit.

Wir glau­ben an einen HERRN, der sei­ne Kin­der in ihrer Not hört und sieht. Wir kön­nen mit Hiski­as Wor­ten beten, weil wir wis­sen, dass unser Vater im Him­mel uns so unend­lich liebt. Er hat sei­ne Kin­der im Blick. Er hört ihnen zu. Er bekommt mit, was sie beschäf­tigt und ihnen zusetzt. Und weil sie sei­ne gelieb­ten Kin­der sind, setzt es auch ihm zu.

Wir glau­ben an einen HERRN, der sich sei­ne Ehre nicht rau­ben lässt. Es geht Gott an sei­ne Ehre, wenn sei­ne Kin­der unge­recht behan­delt wer­den. Wenn sie bedroht wer­den, weil sie an ihn glau­ben. Der HERR küm­mert sich um sei­ne Kinder.

Damit sind nicht alle unse­re Nöte und Pro­ble­me sofort besei­tigt. Aber wenn wir wie Hiskia han­deln und beten, sind unse­re Anlie­gen dort, wo sie hin­ge­hö­ren: in den Hän­den und auf dem Her­zen unse­res HERRN. Wir dür­fen dann erwar­tungs­voll sein, wie unser HERR hilft.

Jesus Chris­tus, unser HERR, seg­ne und stär­ke Sie in die­sen Sommerwochen!

Hans-Her­mann Schole

nachgedacht zum Monatsspruch Juli 2021

Gott ist nicht fer­ne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ (Apos­tel­ge­schich­te 17,27+28)

Lie­be Geschwis­ter, lie­be Freunde!

Wie ist Gott erfahr­bar? Wo und wie zeigt sich der Gott der Bibel, der Vater Jesu Chris­ti hier und heu­te bei uns? Eini­ge erle­ben es, dass Gott ihnen nahe ist und dass er auf ihre Gebe­te ant­wor­tet. Ande­re sagen, dass sie ihn nicht erfahren.

Pau­lus steht, als er die­sen Satz aus­spricht, vor den Gelehr­ten und ande­ren Inter­es­sier­ten im anti­ken Athen. Er hat wohl­wol­len­de Zuhö­rer. Ihnen will er den Gott Isra­els nahe­brin­gen: „Die­ser Gott umgibt uns – in ihm leben wir, so wie wir von Luft umge­ben sind. Selbst­ver­ständ­lich atmen wir die Luft und leben in und mit ihr unser Leben, ob es uns bewusst ist oder nicht. So ist es auch mit dem Gott Israels.“

Noch kön­nen die Zuhö­rer des Pau­lus mit­ge­hen. Ja, dass es eine grö­ße­re Macht gibt, die unser Leben und unse­re Welt umgibt, fin­det damals wie heu­te oft Zustim­mung. Aber wenig spä­ter, als es um Jesus Chris­tus geht, der von den Toten auf­er­stan­den ist, und dar­um, das eige­ne Leben zu ändern, lachen die einen. Ande­re schi­cken ihn weg. Nur ein paar weni­ge Leu­te kom­men zum Glau­ben an Jesus Christus.

Wie ist der Gott der Bibel erfahr­bar? Bewei­sen kön­nen wir ihn nicht. Auch die schöns­ten Bil­der und Ver­glei­che wecken den Glau­ben an Jesus Chris­tus nicht. Gott ist da – auf jeden Fall. Er umgibt sei­ne Schöp­fung und wirkt in ihr. Der all­mäch­ti­ge Gott ist der tiefs­te Grund unse­res Seins. Aber erfah­ren kann ich die­sen Gott erst, wenn ich mich bewusst auf ihn ein­las­se. Wenn ich ihn nicht nur für real hal­te, son­dern wenn ich bereit bin, Ihn als Gott anzu­er­ken­nen, als Herrn mei­nes Lebens. Wenn ich bereit bin, mein Leben neu zu begrei­fen als von Ihm geschenk­tes Leben. Und wenn ich zulas­se, dass Er in mein Leben ein­grei­fen darf, es erneu­ern und neu aus­rich­ten darf.

Wie ist Gott erfahrbar?

Ganz nahe ist er uns – in Sicht­wei­te: Er hat kei­nen von uns je aus den Augen gelas­sen. Lie­be­voll schaut er, wo wir sind und wie es uns geht.

Ganz nah ist er uns – in Ruf­wei­te. Er hört uns, wenn wir ihm sagen: „Gott, ich will dich ken­nen ler­nen. Jesus, ich will mich dir über­las­sen. Sprich in mein Leben. Ich ver­traue dir.“

Ganz nah ist er uns – in Griff­wei­te: Wir kön­nen Gott nicht begrei­fen oder ergrei­fen. Aber wo jemand anfängt, Gott zu ver­trau­en, ergreift Jesus des­sen Hand und beginnt, ihn auf­zu­rich­ten, zu ermu­ti­gen und auf Sei­nem Weg mitzunehmen.

Von Her­zen wün­sche ich allen einen geseg­ne­ten Juli mit der spür­ba­ren Nähe unse­res Herrn.

Hans-Her­mann Schole

nachgedacht zum Monatsspruch Juni 2021

»Man muss Gott mehr gehor­chen als den Men­schen.« (Apg 5,29)

Als ich den Vers für den Monat Juni 2021 las, wur­de mir etwas mul­mig. Ein Vers von des­sen Aus­le­gung viel Gefahr aus­ge­hen kann. Wenn man die­ses Wort für sich allei­ne genom­men liest, ohne Zusam­men­hang, könn­te man alles Mög­li­che damit recht­fer­ti­gen. „Christ­li­chen Ter­ro­ris­mus“ zum Bei­spiel oder die Unter­drü­ckung von Frau­en, die Ver­ur­tei­lung, Ver­ach­tung und Aus­gren­zung von Men­schen, die nicht hete­ro­se­xu­ell sind, das Schla­gen von Kin­dern oder die Legi­ti­ma­ti­on von krie­ge­ri­scher Gewalt – Wor­te wie die­se sind im Lau­fe der Zeit immer wie­der für Unmensch­lich­keit und Gräu­el­ta­ten miss­braucht worden.

Ande­rer­seits ent­hält die­ses „Gott mehr gehor­chen als den Men­schen“ auch gro­ßes Ver­än­de­rungs­po­ten­ti­al, z.B. wenn man sich auf­grund sei­nes Glau­bens wei­gert, bestimm­te Din­ge zu tun, die ande­re von einem ver­lan­gen, die aber im Wider­spruch zur eige­nen Über­zeu­gung ste­hen. Unser Gewis­sen ist zuerst und vor allem an Gott gebun­den, und von daher kön­nen wir „nein“ sagen oder „ja“, auch wenn wir in unse­rer Umge­bung damit auf Unver­ständ­nis stoßen.

Ja, mit die­sem Wort im Rücken kön­nen wir neu und revo­lu­tio­när den­ken und han­deln. Ja, wir sind sogar dazu auf­ge­for­dert genau das zu tun, denn die Bot­schaft von Jesus Chris­tus, für die wir ste­hen, ist revo­lu­tio­när, sie ist wider die­ser Welt und oft genug Grund zum Anstoß. Ja, die­se Bot­schaft hat Spreng­kraft – sie ist in der Lage gan­ze, von Men­schen­hand geschaf­fe­ne Sys­te­me zu hin­ter­fra­gen, zu sabo­tie­ren und sogar zu kippen.

Das spü­ren auch die Apos­tel im fünf­ten Kapi­tel der Apos­tel­ge­schich­te. Sie, die, von Jesus Chris­tus erzäh­len, Men­schen in sei­nem Namen hei­len und Gutes tun, wer­den genau wegen die­ser Bot­schaft von den Hohe­pries­tern ins Gefäng­nis gewor­fen und ihnen wird ver­bo­ten wei­ter von Jesus Chris­tus zu erzäh­len. Doch sie kom­men auf wun­der­sa­me Wei­se frei und spü­ren: Das, was sie gese­hen und erlebt haben – dar­über dür­fen, dar­über kön­ne sie nicht schwei­gen. Kos­te es was es wol­le. Die Kraft der Lie­be, die durch Jesus Chris­tus offen­bart wur­de, muss in die­se Welt geru­fen, muss in die­ser Welt gelebt wer­den. Wenn Men­schen uns davon abhal­ten wol­len, von die­ser Lie­be zu erzäh­len, wenn Men­schen uns dar­an hin­dern wol­len Got­tes Lie­be in die­ser Welt erfahr­bar zu machen, dann stel­len wir uns nicht stumm, dann las­sen wir uns nicht den Mund ver­bie­ten. Ganz am Ende die­ses fünf­ten Kapi­tels heißt es dann: „…und sie hör­ten nicht auf, alle Tage im Tem­pel und hier und dort in den Häu­sern zu leh­ren und zu pre­di­gen das Evan­ge­li­um von Jesus Chris­tus (Apg 5, 42). Petrus und die Apos­tel haben glück­li­cher Wei­se nicht geschwie­gen, denn dadurch, dass sie „Gott mehr gehorch­ten als den Men­schen“ haben sie es erst mög­lich gemacht, dass du und ich die­se Bot­schaft hören konnten.

So wer­den wir davor bewahrt blei­ben, zu reli­giö­sen Idea­lis­ten mit Gewalt­po­ten­ti­al zu wer­den, wenn wir den Ruf zur abso­lu­ten Loya­li­tät Gott gegen­über zusam­men mit dem Lie­bes­ge­bot Jesu hören und leben. „Gott mehr gehor­chen“ – dar­in steckt so viel Kraft, Geist und Krea­ti­vi­tät, wenn wir es mit der Lie­be zusam­men­bin­den. Dar­um kann kein Mensch für sich allei­ne Gott hören, son­dern wir hören gemein­sam, kor­ri­gie­ren ein­an­der und bewah­ren uns gegen­sei­tig vor ideo­lo­gi­schen Irr­we­gen. Im gemein­sa­men Suchen nach Got­tes Wil­len ermu­ti­gen wir ein­an­der, Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten zu hin­ter­fra­gen, immer wie­der neue Wege zu wagen und Got­tes Lie­be und Gerech­tig­keit zu leben, aller Träg­heit und allem mensch­li­chen Miss­trau­en und Wider­spruch zum Trotz. Amen!

Dirk Lie­bern

nachgedacht zum Monatsspruch Mai 2021

»Öff­ne dei­nen Mund für den Stum­men, für den Rechts­an­spruch aller Schwa­chen!« (Sprü­che 31,8)

Spra­che ist die ver­ba­le Kom­mu­ni­ka­ti­on von fortgeschrittenen
Spe­zi­es. Sie ist der Grund und der Kata­ly­sa­tor für Fortschritt
und die Grund­la­ge für Zivi­li­sa­ti­on. Ohne sie könn­ten weder
Wis­sen noch Reli­gi­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Sie ist Träger
von Emo­tio­nen und Gefüh­len. In Kom­bi­na­ti­on mit der Schrift
ent­fes­sel­te sie die Poesie.

Aber Spra­che hat lei­der – oder auch glück­li­cher­wei­se – mehr
als eine Sei­te. Einer­seits kann sie glück­lich machen, Hoffnung
schen­ken und Lie­be brin­gen oder sie moti­viert, ist konstruktiv
und lehrt dich. Ande­rer­seits ist da noch die­se dunk­le, verletzende
Sei­te. Die Sei­te, die stär­ker ver­letzt als Waf­fen, kränker
macht als Viren und Bak­te­ri­en oder schränkt Men­schen weitaus
mehr ein als jedes Gesetz.

Mob­bing sowie sozia­le und Geschlech­te­run­ge­rech­tig­keit sind
heut­zu­ta­ge mehr The­ma denn je, obwohl Arbeit­ge­ber immer
mehr Wert auf soge­nann­te »Soft Skills« – per­sön­li­che, soziale
und metho­di­sche Kom­pe­ten­zen wie Team- oder Kommunikationsfähigkeit
– legen und mit Eman­zi­pa­ti­on und Teambuilding
im Unter­neh­men werben.

Es ist also nach über 2 000 Jah­ren IMMER NOCH nötig, zwischen
Fort­schritt, Wis­sen­schaft und Wohl­stand dar­auf zu achten,
dass nie­mand zu kurz kommt?
Vie­le fra­gen sich, war­um mei­ne Genera­ti­on mit dem Gendern
begon­nen hat. Ist die­se Bibel-stel­le die Ant­wort? Für den
Rechtsanspruch?

Mei­ne Ant­wort: Wir – Genera­ti­on Z (ca. 1990 bis 2012 geboren)
– müs­sen von Anfang an im All­tag ohne­hin sehr dar­auf achten
was gesagt geschrie­ben oder gepos­tet wird um nicht auf Fake
News oder Ver­kaufs­stra­te­gie rein­zu­fal­len, dass wir insgesamt
mehr dar­auf ach­ten wie und was gesagt wird.

Neben Fake News sind wir (im Inter­net) so viel Hass und Mobbing
aus­ge­setzt wie noch nie in der Geschich­te der Menschheit.
Die dau­er­haf­te Erreich­bar­keit hat auch ihre Nachteile.

Ich muss zuge­ben, ich läs­te­re ganz ger­ne mal über Ande­re. Aber
ist das der christ­li­che Weg? Gibt es da eine Gren­ze, nach der Lästern
nicht mehr in Ord­nung ist? Zählt das »sich über jemanden
Beschwe­ren« oder das »sich über jemand Beschwe­ren« schon
zum Läs­tern, auch wenn es mir danach bes­ser geht?

Der Spruch for­dert dazu auf, recht (richtig/​gut) über, mit, für zu
spre­chen. Damit sind wir als Chris­ten in der Ver­ant­wor­tung uns
zumin­dest etwas gewähl­ter aus­zu­drü­cken und ande­re darauf
hin­zu­wei­sen, wenn sie Gren­zen überschreiten

S. B.