nachgedacht zum Monatsspruch Dezember 2022

»Da wird der Wolf beim Lamm woh­nen und der Pan­ther beim Böck­lein lagern. Kalb und Löwe wer­den mit­ein­an­der gra­sen, und ein klei­ner Kna­be wird sie lei­ten.« Jesa­ja 11,6

Sams­tag­mor­gen, 9 Uhr. Ich sit­ze mit mei­ner drei­jäh­ri­gen Toch­ter auf dem Sofa und schaue ein Buch an. Ein Bibel-Wim­mel­buch. Natür­lich blei­ben wir direkt auf der ers­ten Sei­te hän­gen – die Schöp­fungs­ge­schich­te. Hier gibt es so wun­der­bar viel zu ent­de­cken, die unter­schied­lichs­ten Tie­re tum­meln sich in der lie­be­voll gezeich­ne­ten Land­schaft. »Wo sind denn die Löwen?« Ziel­si­cher deu­tet mei­ne Klei­ne auf die gemal­ten Tie­re. (Ist nicht das ers­te Mal, dass wir die­se Sei­te aus­führ­lich stu­die­ren.) Direkt neben dem Löwen­paar gra­sen zwei Scha­fe. Wei­ter hin­ten hop­peln zwei Hasen unmit­tel­bar neben fried­lich dösen­den Wöl­fen dahin. Wir ent­de­cken vie­le wei­te­re Tie­re, alle in fried­li­cher Ein­tracht neben­ein­an­der. Para­die­si­sche Zustände.

Sams­tag­abend, 20 Uhr. Ich sit­ze mit mei­nem Mann vorm Fern­se­her und wir schau­en Nach­rich­ten. Berich­te von Krieg, von Hacker­an­grif­fen, Natur­ka­ta­stro­phen, explo­die­ren­den Ener­gie­kos­ten, Ter­ror und Wahl­be­trug. Mich über­kommt eine Wel­le der Ver­zweif­lung ange­sichts die­ser Gewalt und Hoffnungslosigkeit.

Dann aber erin­ne­re ich mich wie­der an mei­nen Vor­satz: Auf­se­hen und festhalten.

Auf­se­hen heißt Weg­se­hen von dem Elend die­ser Welt. Nicht im Sin­ne von Über­se­hen, Igno­rie­ren, son­dern den Blick heben, sich nicht gefan­gen neh­men las­sen von der Angst und Hoffnungslosigkeit.

Und Fest­hal­ten an der Ver­hei­ßung, die wir in Jesus haben: Auf uns war­tet ein ewi­ges Reich des Frie­dens. Die­ses Frie­dens­reich fin­det sei­nen geschöpf­li­chen Aus­druck auch in den Schil­de­run­gen Jesa­jas, wo Star­ke und Schwa­che ver­eint sind, wo es kei­ne Jäger und Gejag­ten mehr gibt, wo nicht Angst und Schre­cken son­dern Frie­den, Recht und Gerech­tig­keit herr­schen. Wolf und Lamm woh­nen bei­ein­an­der, Kalb und Löwe gra­sen Sei­te an Sei­te, ein klei­nes Kind kann sie leiten.

Die­se hoff­nungs­ma­chen­de Zusa­ge end­gül­ti­gen Frie­dens galt schon damals dem Volk Isra­el, das unter der Gewalt­herr­schaft der Assy­rer litt. Und sie hat bis heu­te Bestand. Dar­an erin­nern wir uns beson­ders in den nächs­ten Wochen, des­halb fei­ern Weih­nach­ten. Denn auch wenn wir jetzt viel­leicht noch nichts von die­sem Frie­dens­reich erken­nen kön­nen, wenn uns die Not der Welt zu über­wäl­ti­gen droht und die Sehn­sucht nach Frie­den noch nicht gestillt wer­den kann, viel­leicht grö­ßer ist als zuvor: Gott hat schon längst sei­nen Frie­dens­fürst in die­se Welt geschickt. Jesus ist der Beginn einer Neu-Schöp­fung, in der die »para­die­si­schen Zustän­de« von einst herr­schen wer­den – und es wahr­schein­lich doch noch ganz anders sein wird. Denn mit die­sem Frie­dens­reich ist Got­tes Schöp­fung erst voll­endet und zum Ziel gekom­men. Und wir dür­fen ein Teil davon sein.

Mit die­sem Wis­sen und die­ser Hoff­nung kön­nen wir selbst zum Frie­dens­bo­ten wer­den und ein Licht in die Dun­kel­heit der Welt tra­gen. In die­sem Sin­ne wün­sche ich euch eine fried­vol­le, geseg­ne­te Advents- und Weihnachtszeit.

V. L.

nachgedacht zum Monatsspruch Oktober 2021

»Lasst uns auf­ein­an­der acht­ha­ben und ein­an­der anspor­nen zur Lie­be und zu guten Wer­ken.« Hebrä­er 10,24

Gut, dass wir ein­an­der haben. – Eben dazu: Auf­ein­an­der acht­zu­ha­ben und ein­an­der anzu­spor­nen zur Lie­be und zu guten Wer­ken. – Wie leicht kommt der All­tag, und wir ver­sin­ken in unse­rem natür­li­chen, ganz und all­zu mensch­li­chen Leben.

So weit, so gut. – Der Ver­fas­ser des Hebrä­er­brie­fes stellt die­sen Vers in den Zusam­men­hang mit dem Weg­blei­ben in den Ver­samm­lun­gen, »wie eini­ge zu tun pfle­gen…« – und er fügt an: »und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.«

Nun stimmt das unzwei­fel­haft: Wenn der Tag des Herrn kommt, und davon gehe ich aus, dann ist er heu­te näher als damals zur Zeit der Abfas­sung des Brie­fes. Allein: Damals rech­ne­te man mit einer Naher­war­tung, wie das heu­te kaum mehr jemand tut. Wir alle haben unse­re Ver­si­che­run­gen, unse­re Alters­si­che­rung, unse­re mit­tel- und lang­fris­ti­ge Pla­nung bei der Arbeit, in der Fami­lie und auch persönlich.

Wenn nun plötz­lich der Tag des Herrn käme, bräch­te uns das gewal­tig aus dem Kon­zept. Wer aber gute Wer­ke und Lie­be nur an den Tag legt, wenn der Tag des Herrn vor der Tür steht, der oder die hat wenig von Nach­fol­ge ver­stan­den. Bei­de sind ja eine Ant­wort auf die Lie­be Got­tes zu mir. Wo ich mich so geliebt weiß, da stellt sich die Fra­ge nicht; da lie­be ich, weil es mir geschenkt wird, die ande­ren so zu sehen, wie Gott sie sieht. Mit Liebe.

Von daher ist Gemein­de und christ­li­che Gemein­schaft (auch jen­seits aller Orts­ge­mein­den und Kör­per­schaf­ten) eine Art »Trai­nings­la­ger für Nach­fol­gen­de«. Wir üben uns. Wir trai­nie­ren das Den­ken und Leben als Hei­li­ge, die wir als Chris­ten­men­schen sind, obwohl auch ganz irdisch und mensch­lich blei­ben. – Es ist schon gut, dass es im Apos­to­li­schen Glau­bens­be­kennt­nis heißt: »… die hei­li­ge christ­li­che Kir­che, Gemein­schaft der Hei­li­gen …« Mit weni­ger soll­ten wir uns nicht zufrie­den geben als Jün­ge­rin­nen und Jünger.

Weil wir aber unter­schied­lich sind, gibt es sol­che, denen das eine und ande­re jeweils leicht bzw. schwer fällt. Inso­fern kön­nen, dür­fen und sol­len wir ein­an­der unter­stüt­zen. Das ist einer der Grün­de, aus denen es Gemein­de gibt. Gut, wenn wir eine Echt­zeit-Grup­pe haben, wenn wir in einem Haus­kreis dabei sind.

Wir soll­ten nur nicht über­se­hen, dass das Ein­üben und Trai­nie­ren von Nach­fol­ge dazu da ist, dass wir gesen­det wer­den als Jesu geschick­te Gesand­te, zu den Men­schen, um denen zu die­nen, sie durch Lie­be zu begeis­tern, damit sie selbst das Evan­ge­li­um an sich heranlassen.

Frank Weber

nachgedacht zum Monatsspruch September 2021

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und wer­det doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durs­tig; ihr klei­det euch, und kei­nem wird warm; und wer Geld ver­dient, der legt’s in einen löch­ri­gen Beu­tel. (Hag 1,6 (L))

Nach der Zer­stö­rung der bei­den Rei­che Isra­el und Juda Anfang des 6. Jahr­hun­derts v. Chr. wur­de ein wesent­li­cher Teil der Bevöl­ke­rung Judä­as in die baby­lo­ni­sche Gefan­gen­schaft geführt und dort ange­sie­delt. Nach dem Ende des Exils und der Rück­kehr eines Teils der nach Baby­lon ver­schlepp­ten Judä­er begann man im Jah­re 535 v. Chr. mit dem Wie­der­auf­bau des gut 60 Jah­re zuvor zer­stör­ten Tem­pels, der auf den König Salo­mo zurück­ging. Seit knapp 20 Jah­ren ist das Volk Isra­el aus der baby­lo­ni­schen Gefan­gen­schaft in die Hei­mat zurück­ge­kehrt. So nach und nach sie­del­ten sich die Juden wie­der in und um Jeru­sa­lem an, nach­dem sie über vie­le Jah­re in der Frem­de leben muss­ten. Auf der einen Sei­te waren sie froh, wie­der in der Hei­mat zu sein, auf der ande­ren Sei­te kämpf­ten sie um ihr Über­le­ben. Feind­lich gesinn­te Bewoh­ner und Hun­gers­not brach­ten sie in enor­me Schwie­rig­kei­ten. Man kämpft erst ein­mal ums Über­le­ben. Wo soll man woh­nen? Woher bekommt man Äcker, um sie zu bebau­en? Denn das Land ist besetzt von den Men­schen, die in Isra­el geblie­ben sind, die sich teil­wei­se mit den Baby­lo­ni­ern ver­mischt haben. Es gilt erst ein­mal wie­der Fuß zu fas­sen. Über­all sieht man noch die Spu­ren der Zer­stö­rung von damals. Man hat zwar auch mit dem Bau des Tem­pels ange­fan­gen. Aber dann gibt es Pro­ble­me mit den Beset­zern. Erst ein­mal ist Bau­stopp ange­sagt. Inzwi­schen darf wei­ter­ge­baut wer­den. Aber die Eupho­rie des Anfangs ist weg und es war nicht ein­fach, die Bevöl­ke­rung von der Not­wen­dig­keit des Tem­pels zu über­zeu­gen. Dar­um ver­such­te Hag­gai im Jahr 520 vor unse­rer Zeit­rech­nung eine Ver­bin­dung zwi­schen dem Bau des Tem­pels und dem wirt­schaft­li­chen Wohl­erge­hen des Lan­des her­zu­stel­len, indem er sagt, ihre ern­tet des­halb wenig und habt wenig zu essen und zu trin­ken, kei­ne war­me Klei­dung und wenig Geld, weil wir Gott kei­nen Raum geben. Wenn wir ihm einen Raum geben, indem er auf beson­de­re Wei­se gegen­wär­tig sein kann, wird der Rest dann von allein fol­gen. Der Tem­pel steht für die Gegen­wart Got­tes! Im Tem­pel konn­te man ihm begeg­nen, Ver­söh­nung erfah­ren, ihn anbe­ten und Wei­sung emp­fan­gen. Die Men­schen erfass­ten nicht die Kost­bar­keit der Gegen­wart Got­tes. Das Haupt­pro­blem waren weder die Fein­de noch die man­geln­de Ver­sor­gung, son­dern es war ihr Herz, dass ande­ren Din­gen den Vor­rang gab.

Hag­gais mah­nen­de Wor­te hat­ten Erfolg und die Judä­er gin­gen wie­der an die Arbeit und bau­ten den Tem­pel zu Ende. Wahr­schein­lich nicht ganz so pracht­voll wie der ers­te Tem­pel von König Salo­mo. Dem Volk Isra­el sagt Gott durch Hag­gai: Jetzt, wo ihr an dem Tem­pel arbei­tet, bin ich mit euch!

Auch unse­re Gemein­de hat in den ver­schie­dens­ten Räu­men ihre Zusam­men­künf­te abge­hal­ten, ange­mie­te­te Räu­me, Wohn­zim­mer, als Unter­mie­ter in der Niko­lai­ka­pel­le, in einer Well­blech­hüt­te auf dem Georgs­platz, und jetzt fast 70 Jah­re in der Johan­nes­kir­che. Es kommt nicht auf die Schön­heit und Aus­stat­tung an, der Raum muss nicht beson­ders pracht­voll sein, son­dern wir wol­len Gott einen Raum geben, wo er uns ganz für sich hat, wir nicht abge­lenkt wer­den und wir ihm ganz nah sind. Gott lässt sich nicht mit Gold und Sil­ber und den schöns­ten Male­rei­en von uns beein­dru­cken. Ja, auch wir wis­sen nicht, wohin wir säen und was unse­re Wor­te bewirken.

Durch die Coro­na Pan­de­mie konn­ten wir eine Zeit­lang kei­ne Got­tes­diens­te in unse­ren Räu­men abhal­ten oder nur ein­ge­schränkt. Wie gut tun uns jetzt die Sonn­ta­ge, an denen wir wie­der bei den Prä­senz­got­tes­diens­ten dabei sein kön­nen. Wir füh­len, wie gut es für uns ist, mit Glau­bens­ge­schwis­tern an der Sei­te Gott zu loben, zu beten und auf sein Wort zu hören. Gott ist da, wenn wir sei­ne Nähe suchen. Wir wis­sen es aus sei­ner Zusa­ge zu uns, und manch­mal spü­ren wir es sogar.

S. Sch.

nachgedacht zum Monatsspruch August 2021

Nei­ge, HERR, dein Ohr und höre! Öff­ne, HERR, dei­ne Augen und sieh her!“ (2. Köni­ge 19,16)

Lie­be Geschwis­ter, lie­be Freunde!

Schrift­li­che Mit­tei­lun­gen haben ein eige­nes Gewicht. Was wir schwarz auf weiß zu lesen bekom­men, beein­druckt uns: Eine auf­wüh­len­de Nach­richt in der Zei­tung, aber auch der ableh­nen­de Bescheid einer Behör­de, eine Kün­di­gung, ein ärzt­li­cher Befund, eine uner­war­tet hohe Rech­nung. Sol­che Mit­tei­lun­gen gehen uns ans Herz und an die Nieren.

Das Gebet, das uns in die­sem Monat beglei­tet, stammt aus dem Her­zen und dem Mund des Königs Hiskia (um 700 v.Chr. in Jeru­sa­lem). Er hat­te einen Brief mit nie­der­schmet­tern­den Fak­ten bekom­men. San­he­rib, der König Assy­ri­ens, ließ ihm aus­rich­ten, dass die Tage des Reichs Juda gezählt sei­en und kein Gott die­ser Welt es ver­hin­dern wür­de. Dabei zähl­te San­he­rib die Völ­ker auf, die er bereits erobert hat­te. Die Fak­ten der Geschich­te sprä­chen gegen Hiskia und das Volk Juda.

Was mach­te Hiskia damit? Hiskia hat­te sicher Angst vor dem, was er gele­sen hat­te. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit den Assy­rern mach­te ihn fer­tig, wie man in 2. Köni­ge 18+19 nach­le­sen kann. Aber Hiskia wuss­te auch, dass er mit allem zu Gott kom­men konn­te. Er nahm den Brief mit in den Tem­pel und brei­te­te ihn vor dem HERRN aus.

Die­se Ges­te berührt mich sehr. Sie zeigt, wie ein­fach und selbst­ver­ständ­lich wir mit dem umge­hen kön­nen, was uns zu schaf­fen macht. Eine schrift­li­che Nach­richt, eine Mail, eine Mes­sa­ge, eine Gesprächs­no­tiz – wir kön­nen und dür­fen es buch­stäb­lich vor Gott hin­le­gen und aus­brei­ten. Den schwie­ri­gen Brief kön­nen wir vor einem Kreuz offen aus­brei­ten. Das Smart­pho­ne mit der bösen Nach­richt kön­nen wir auf die eige­ne auf­ge­schla­ge­ne Bibel legen. Und wir dür­fen beten: „Nei­ge, HERR, dein Ohr und höre! Öff­ne, HERR, dei­ne Augen und sieh her!“ In solch einer Ges­te und dem Gebet kommt unser Glau­be an Jesus Chris­tus zum Ausdruck.

Wir glau­ben an einen HERRN, der lebt. Jesus Chris­tus hat den Tod über­wun­den. Das unter­schei­det ihn von allem ande­ren, was in die­ser Welt gedacht, geglaubt und für rich­tig gehal­ten wird. Kei­ne Macht der Welt kann ihn über­win­den. Er ist der HERR in Ewigkeit.

Wir glau­ben an einen HERRN, der sei­ne Kin­der in ihrer Not hört und sieht. Wir kön­nen mit Hiski­as Wor­ten beten, weil wir wis­sen, dass unser Vater im Him­mel uns so unend­lich liebt. Er hat sei­ne Kin­der im Blick. Er hört ihnen zu. Er bekommt mit, was sie beschäf­tigt und ihnen zusetzt. Und weil sie sei­ne gelieb­ten Kin­der sind, setzt es auch ihm zu.

Wir glau­ben an einen HERRN, der sich sei­ne Ehre nicht rau­ben lässt. Es geht Gott an sei­ne Ehre, wenn sei­ne Kin­der unge­recht behan­delt wer­den. Wenn sie bedroht wer­den, weil sie an ihn glau­ben. Der HERR küm­mert sich um sei­ne Kinder.

Damit sind nicht alle unse­re Nöte und Pro­ble­me sofort besei­tigt. Aber wenn wir wie Hiskia han­deln und beten, sind unse­re Anlie­gen dort, wo sie hin­ge­hö­ren: in den Hän­den und auf dem Her­zen unse­res HERRN. Wir dür­fen dann erwar­tungs­voll sein, wie unser HERR hilft.

Jesus Chris­tus, unser HERR, seg­ne und stär­ke Sie in die­sen Sommerwochen!

Hans-Her­mann Schole

nachgedacht zum Monatsspruch Juli 2021

Gott ist nicht fer­ne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ (Apos­tel­ge­schich­te 17,27+28)

Lie­be Geschwis­ter, lie­be Freunde!

Wie ist Gott erfahr­bar? Wo und wie zeigt sich der Gott der Bibel, der Vater Jesu Chris­ti hier und heu­te bei uns? Eini­ge erle­ben es, dass Gott ihnen nahe ist und dass er auf ihre Gebe­te ant­wor­tet. Ande­re sagen, dass sie ihn nicht erfahren.

Pau­lus steht, als er die­sen Satz aus­spricht, vor den Gelehr­ten und ande­ren Inter­es­sier­ten im anti­ken Athen. Er hat wohl­wol­len­de Zuhö­rer. Ihnen will er den Gott Isra­els nahe­brin­gen: „Die­ser Gott umgibt uns – in ihm leben wir, so wie wir von Luft umge­ben sind. Selbst­ver­ständ­lich atmen wir die Luft und leben in und mit ihr unser Leben, ob es uns bewusst ist oder nicht. So ist es auch mit dem Gott Israels.“

Noch kön­nen die Zuhö­rer des Pau­lus mit­ge­hen. Ja, dass es eine grö­ße­re Macht gibt, die unser Leben und unse­re Welt umgibt, fin­det damals wie heu­te oft Zustim­mung. Aber wenig spä­ter, als es um Jesus Chris­tus geht, der von den Toten auf­er­stan­den ist, und dar­um, das eige­ne Leben zu ändern, lachen die einen. Ande­re schi­cken ihn weg. Nur ein paar weni­ge Leu­te kom­men zum Glau­ben an Jesus Christus.

Wie ist der Gott der Bibel erfahr­bar? Bewei­sen kön­nen wir ihn nicht. Auch die schöns­ten Bil­der und Ver­glei­che wecken den Glau­ben an Jesus Chris­tus nicht. Gott ist da – auf jeden Fall. Er umgibt sei­ne Schöp­fung und wirkt in ihr. Der all­mäch­ti­ge Gott ist der tiefs­te Grund unse­res Seins. Aber erfah­ren kann ich die­sen Gott erst, wenn ich mich bewusst auf ihn ein­las­se. Wenn ich ihn nicht nur für real hal­te, son­dern wenn ich bereit bin, Ihn als Gott anzu­er­ken­nen, als Herrn mei­nes Lebens. Wenn ich bereit bin, mein Leben neu zu begrei­fen als von Ihm geschenk­tes Leben. Und wenn ich zulas­se, dass Er in mein Leben ein­grei­fen darf, es erneu­ern und neu aus­rich­ten darf.

Wie ist Gott erfahrbar?

Ganz nahe ist er uns – in Sicht­wei­te: Er hat kei­nen von uns je aus den Augen gelas­sen. Lie­be­voll schaut er, wo wir sind und wie es uns geht.

Ganz nah ist er uns – in Ruf­wei­te. Er hört uns, wenn wir ihm sagen: „Gott, ich will dich ken­nen ler­nen. Jesus, ich will mich dir über­las­sen. Sprich in mein Leben. Ich ver­traue dir.“

Ganz nah ist er uns – in Griff­wei­te: Wir kön­nen Gott nicht begrei­fen oder ergrei­fen. Aber wo jemand anfängt, Gott zu ver­trau­en, ergreift Jesus des­sen Hand und beginnt, ihn auf­zu­rich­ten, zu ermu­ti­gen und auf Sei­nem Weg mitzunehmen.

Von Her­zen wün­sche ich allen einen geseg­ne­ten Juli mit der spür­ba­ren Nähe unse­res Herrn.

Hans-Her­mann Schole

nachgedacht zum Monatsspruch Juni 2021

»Man muss Gott mehr gehor­chen als den Men­schen.« (Apg 5,29)

Als ich den Vers für den Monat Juni 2021 las, wur­de mir etwas mul­mig. Ein Vers von des­sen Aus­le­gung viel Gefahr aus­ge­hen kann. Wenn man die­ses Wort für sich allei­ne genom­men liest, ohne Zusam­men­hang, könn­te man alles Mög­li­che damit recht­fer­ti­gen. „Christ­li­chen Ter­ro­ris­mus“ zum Bei­spiel oder die Unter­drü­ckung von Frau­en, die Ver­ur­tei­lung, Ver­ach­tung und Aus­gren­zung von Men­schen, die nicht hete­ro­se­xu­ell sind, das Schla­gen von Kin­dern oder die Legi­ti­ma­ti­on von krie­ge­ri­scher Gewalt – Wor­te wie die­se sind im Lau­fe der Zeit immer wie­der für Unmensch­lich­keit und Gräu­el­ta­ten miss­braucht worden.

Ande­rer­seits ent­hält die­ses „Gott mehr gehor­chen als den Men­schen“ auch gro­ßes Ver­än­de­rungs­po­ten­ti­al, z.B. wenn man sich auf­grund sei­nes Glau­bens wei­gert, bestimm­te Din­ge zu tun, die ande­re von einem ver­lan­gen, die aber im Wider­spruch zur eige­nen Über­zeu­gung ste­hen. Unser Gewis­sen ist zuerst und vor allem an Gott gebun­den, und von daher kön­nen wir „nein“ sagen oder „ja“, auch wenn wir in unse­rer Umge­bung damit auf Unver­ständ­nis stoßen.

Ja, mit die­sem Wort im Rücken kön­nen wir neu und revo­lu­tio­när den­ken und han­deln. Ja, wir sind sogar dazu auf­ge­for­dert genau das zu tun, denn die Bot­schaft von Jesus Chris­tus, für die wir ste­hen, ist revo­lu­tio­när, sie ist wider die­ser Welt und oft genug Grund zum Anstoß. Ja, die­se Bot­schaft hat Spreng­kraft – sie ist in der Lage gan­ze, von Men­schen­hand geschaf­fe­ne Sys­te­me zu hin­ter­fra­gen, zu sabo­tie­ren und sogar zu kippen.

Das spü­ren auch die Apos­tel im fünf­ten Kapi­tel der Apos­tel­ge­schich­te. Sie, die, von Jesus Chris­tus erzäh­len, Men­schen in sei­nem Namen hei­len und Gutes tun, wer­den genau wegen die­ser Bot­schaft von den Hohe­pries­tern ins Gefäng­nis gewor­fen und ihnen wird ver­bo­ten wei­ter von Jesus Chris­tus zu erzäh­len. Doch sie kom­men auf wun­der­sa­me Wei­se frei und spü­ren: Das, was sie gese­hen und erlebt haben – dar­über dür­fen, dar­über kön­ne sie nicht schwei­gen. Kos­te es was es wol­le. Die Kraft der Lie­be, die durch Jesus Chris­tus offen­bart wur­de, muss in die­se Welt geru­fen, muss in die­ser Welt gelebt wer­den. Wenn Men­schen uns davon abhal­ten wol­len, von die­ser Lie­be zu erzäh­len, wenn Men­schen uns dar­an hin­dern wol­len Got­tes Lie­be in die­ser Welt erfahr­bar zu machen, dann stel­len wir uns nicht stumm, dann las­sen wir uns nicht den Mund ver­bie­ten. Ganz am Ende die­ses fünf­ten Kapi­tels heißt es dann: „…und sie hör­ten nicht auf, alle Tage im Tem­pel und hier und dort in den Häu­sern zu leh­ren und zu pre­di­gen das Evan­ge­li­um von Jesus Chris­tus (Apg 5, 42). Petrus und die Apos­tel haben glück­li­cher Wei­se nicht geschwie­gen, denn dadurch, dass sie „Gott mehr gehorch­ten als den Men­schen“ haben sie es erst mög­lich gemacht, dass du und ich die­se Bot­schaft hören konnten.

So wer­den wir davor bewahrt blei­ben, zu reli­giö­sen Idea­lis­ten mit Gewalt­po­ten­ti­al zu wer­den, wenn wir den Ruf zur abso­lu­ten Loya­li­tät Gott gegen­über zusam­men mit dem Lie­bes­ge­bot Jesu hören und leben. „Gott mehr gehor­chen“ – dar­in steckt so viel Kraft, Geist und Krea­ti­vi­tät, wenn wir es mit der Lie­be zusam­men­bin­den. Dar­um kann kein Mensch für sich allei­ne Gott hören, son­dern wir hören gemein­sam, kor­ri­gie­ren ein­an­der und bewah­ren uns gegen­sei­tig vor ideo­lo­gi­schen Irr­we­gen. Im gemein­sa­men Suchen nach Got­tes Wil­len ermu­ti­gen wir ein­an­der, Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten zu hin­ter­fra­gen, immer wie­der neue Wege zu wagen und Got­tes Lie­be und Gerech­tig­keit zu leben, aller Träg­heit und allem mensch­li­chen Miss­trau­en und Wider­spruch zum Trotz. Amen!

Dirk Lie­bern

nachgedacht zum Monatsspruch Mai 2021

»Öff­ne dei­nen Mund für den Stum­men, für den Rechts­an­spruch aller Schwa­chen!« (Sprü­che 31,8)

Spra­che ist die ver­ba­le Kom­mu­ni­ka­ti­on von fortgeschrittenen
Spe­zi­es. Sie ist der Grund und der Kata­ly­sa­tor für Fortschritt
und die Grund­la­ge für Zivi­li­sa­ti­on. Ohne sie könn­ten weder
Wis­sen noch Reli­gi­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Sie ist Träger
von Emo­tio­nen und Gefüh­len. In Kom­bi­na­ti­on mit der Schrift
ent­fes­sel­te sie die Poesie.

Aber Spra­che hat lei­der – oder auch glück­li­cher­wei­se – mehr
als eine Sei­te. Einer­seits kann sie glück­lich machen, Hoffnung
schen­ken und Lie­be brin­gen oder sie moti­viert, ist konstruktiv
und lehrt dich. Ande­rer­seits ist da noch die­se dunk­le, verletzende
Sei­te. Die Sei­te, die stär­ker ver­letzt als Waf­fen, kränker
macht als Viren und Bak­te­ri­en oder schränkt Men­schen weitaus
mehr ein als jedes Gesetz.

Mob­bing sowie sozia­le und Geschlech­te­run­ge­rech­tig­keit sind
heut­zu­ta­ge mehr The­ma denn je, obwohl Arbeit­ge­ber immer
mehr Wert auf soge­nann­te »Soft Skills« – per­sön­li­che, soziale
und metho­di­sche Kom­pe­ten­zen wie Team- oder Kommunikationsfähigkeit
– legen und mit Eman­zi­pa­ti­on und Teambuilding
im Unter­neh­men werben.

Es ist also nach über 2 000 Jah­ren IMMER NOCH nötig, zwischen
Fort­schritt, Wis­sen­schaft und Wohl­stand dar­auf zu achten,
dass nie­mand zu kurz kommt?
Vie­le fra­gen sich, war­um mei­ne Genera­ti­on mit dem Gendern
begon­nen hat. Ist die­se Bibel-stel­le die Ant­wort? Für den
Rechtsanspruch?

Mei­ne Ant­wort: Wir – Genera­ti­on Z (ca. 1990 bis 2012 geboren)
– müs­sen von Anfang an im All­tag ohne­hin sehr dar­auf achten
was gesagt geschrie­ben oder gepos­tet wird um nicht auf Fake
News oder Ver­kaufs­stra­te­gie rein­zu­fal­len, dass wir insgesamt
mehr dar­auf ach­ten wie und was gesagt wird.

Neben Fake News sind wir (im Inter­net) so viel Hass und Mobbing
aus­ge­setzt wie noch nie in der Geschich­te der Menschheit.
Die dau­er­haf­te Erreich­bar­keit hat auch ihre Nachteile.

Ich muss zuge­ben, ich läs­te­re ganz ger­ne mal über Ande­re. Aber
ist das der christ­li­che Weg? Gibt es da eine Gren­ze, nach der Lästern
nicht mehr in Ord­nung ist? Zählt das »sich über jemanden
Beschwe­ren« oder das »sich über jemand Beschwe­ren« schon
zum Läs­tern, auch wenn es mir danach bes­ser geht?

Der Spruch for­dert dazu auf, recht (richtig/​gut) über, mit, für zu
spre­chen. Damit sind wir als Chris­ten in der Ver­ant­wor­tung uns
zumin­dest etwas gewähl­ter aus­zu­drü­cken und ande­re darauf
hin­zu­wei­sen, wenn sie Gren­zen überschreiten

S. B.

nachgedacht zum Monatsspruch April 2021

»Er [Jesus Chris­tus] ist Bild des unsicht­ba­ren Got­tes, der Erst­ge­bo­re­ne der gesam­ten Schöp­fung.« (Kolos­ser 1,15)

Pau­lus zitiert hier einen Hym­nus, ein Lob­lied oder Lob­ge­bet. Wir west­lich gepräg­te Chris­ten­men­schen ver­ste­hen unter Theo­lo­gie oft, zutref­fen­de Sät­ze über Gott, den Soh­ne Jesus, den Geist, über die Schöp­fung und Erlö­sung zu for­mu­lie­ren. In der alten Kir­che, beson­ders der latei­ni­schen Tra­di­ti­on, waren vie­le Theo­lo­gen gelern­te Rhe­to­ren, Rede­leh­rer. Und die Rhe­to­rik war eine Hilfs­dis­zi­plin ins­be­son­de­re für Juris­ten. Ent­spre­chend ist die Theologie.

Im Osten der alten Kir­che, bei den grie­chi­schen Kir­chen­vä­tern, dem, wor­aus dann spä­ter die Ortho­do­xie wur­de, war Theo­lo­gie stets Lit­ur­gie. Ein Lob Gottes!

Was aber meint dies Lob im Chris­tus-Hym­nus? Gott kann man nicht schau­en oder begrei­fen. Im Mensch-gewor­de­nen Gott aber, in Jesus von Naza­reth, der die Schuld der Welt trug und auf­er­weckt wur­de am drit­ten Tage, in ihm sehen wir, wie Gott ist. Er ist sicht­bar in Erschei­nung getre­ten. Und doch: Eines Wesens mit dem Vater. Wenn wir ihn sehen, dann sehen wir Gott.
Er ist der Erst­ge­bo­re­ne der Schöp­fung: Gezeugt nicht geschaf­fen! Unser Hym­nus geht weiter:
»Denn in ihm ist alles geschaffen,
was im Him­mel und auf Erden ist,
das Sicht­ba­re und das Unsichtbare,
es sei­en Thro­ne oder Herrschaften
oder Mäch­te oder Gewalten;
es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.
Und er ist vor allem,
und es besteht alles in ihm.« (Kol.1,16)

Das Motiv begeg­net uns noch mehr­fach in der früh­christ­li­chen Lite­ra­tur: Etwa im Johan­nes-Pro­log, der Ein­lei­tung des Johan­nes­evan­ge­li­ums: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Das­sel­be war im Anfang bei Gott. Alle Din­ge sind durch das­sel­be gemacht, und ohne das­sel­be ist nichts gemacht, was gemacht ist.« (Joh.1,1 – 3)

Wenn also die Ver­bin­dung des Vaters und des Soh­nes so eng ist, wie hier vor­aus­ge­setzt, dann passt der drit­te Vers des Cho­rals »Wir glau­ben Gott im höchs­ten Thron«:
»Den Vater, des­sen Wink und Ruf
das Licht aus Fins­ter­nis­sen schuf,
den Sohn, der annimmt uns­re Not,
litt unser Kreuz, starb unsern Tod.«

Wie ist es bei uns? Wir haben unse­re geist­li­chen Leit­sät­ze gelernt und gut ver­in­ner­licht. Wir wis­sen wie es Gott meint. So ging es den Schrift­ge­lehr­ten und den Pha­ri­sä­ern zur Zeit Jesu. Und schließ­lich, zwi­schen letz­tem Abend­mahl und Gefan­gen­nah­me in Geth­se­ma­ne, da mein­ten die Jün­ger auch, dass sie wüss­ten, was sie von Jesus und von sich selbst zu hal­ten hät­ten. Da sagt Jesus dann: »Ihr wer­det alle an mir irre­wer­den«… Das konn­ten sich damals die Jün­ger nicht vor­stel­len, und wir kön­nen es uns für uns selbst heu­te auch nicht vorstellen.

Es ist pas­siert. Petrus ver­leug­net Jesus; die Hin­rich­tung Jesu lässt die Jün­ger fast ver­zwei­feln, sie sind ver­zagt und rat­los. – Wenn wir an die­sem Punkt sind, an dem wir nichts mehr kön­nen oder wol­len, dann wer­den wir brauch­bar für Gott. Sei­ne Kraft wird in den Schwa­chen mäch­tig, nicht aber in den Mäch­ti­gen. – In Coro­na erle­be ich vie­le Gemein­den an die­sem Punkt!

F. W.

nachgedacht zum Monatsspruch März 2021

»Jesus ant­wor­te­te: Ich sage euch: Wenn die­se schwei­gen wer­den, so wer­den die Stei­ne schreien.«
(Lukas 19,40)

Ein wenig Zusam­men­hang ist hier nötig: Die­se Aus­sa­ge von Jesus ist die Ant­wort auf die Auf­for­de­rung der Pha­ri­sä­er, der jubeln­den Men­ge bei sei­nem Ein­zug nach Jeru­sa­lem am Palm­sonn­tag Ein­halt zu gebie­ten. Zu groß war ihre Angst, der Jubel könn­te in einen Auf­stand umschla­gen, der wie­der­um die römi­sche Armee auf den Plan rufen wür­de. Den Frie­den im Lan­de und – viel­leicht noch schlim­mer – ihre eige­ne Auto­ri­tät sahen sie so gefährdet.

Man erkennt, dass die Pha­ri­sä­er die Rol­le nicht ver­stan­den hat­ten, die Chris­tus in der Geschich­te spie­len wür­de. Trotz der viel­fach vor­han­de­nen Zei­chen sahen sie in ihm nur einen Auf­rüh­rer, einen Rebel­len. Sie konn­ten nur die poli­ti­sche Sei- te sei­nes Wir­kens erken­nen – wahr­schein­lich, weil die­se Sei­te auch in ihrem Leben einen immer grö­ße­ren Platz ein­nahm und ihre eigent­li­che Rol­le als reli­giö­se Leh­rer immer mehr ver­drängt hat­te. Tat­säch­lich hat wohl auch die jubeln­de Men­ge nur wenig begrif­fen: sie sahen in Chris­tus einen mög­li­chen neu­en König, der sie von der Herr­schaft der Römer befrei­en könn­te. Nicht ohne Grund wand­ten sich vie­le schon bald von ihm ab und for­der­ten vor Pila­tus sogar, an sei­ner Stel­le den Mör­der Bar­ab­bas freizulassen.

Nicht die poli­ti­sche, son­dern die heils­ge­schicht­li­che Dimen­si­on steht im Zen­trum des Palm­sonn­tags und der dar­auf fol­gen­den Kar­wo­che: Chris­ti Tod und Auf­er­ste­hung zur Til­gung unse­rer Sün­den­last ist der eigent­li­che Grund zum Jubel. Und weil der Jubel der Men­ge hier von fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus­geht, sind es die eigent­lich leb­lo­sen Stei­ne, die – wie man es aus man­chem Psalm kennt – die Ankunft Chris­ti in Jeru­sa­lem und die Aus­sicht auf Got­tes Ret­tung für die Mensch­heit unhör­bar für die Anwe­sen­den bejubeln.

Auch in mei­nem Leben wird vie­les bestimmt viel­leicht nicht durch die gro­ße Poli­tik, aber doch durch das Tages­ge­sche­hen, mei­nen All­tag, mei­nen Beruf, mei­ne Hob­bys usw. Geht es dir auch so? Neh­men wir uns ein Bei­spiel nicht an der Angst der Pha­ri­sä­er oder der fehl­ge­lei­te­ten Freu­de der anony­men Men­ge, son­dern an dem tie­fen Ver­ständ­nis der Stei­ne von der Lie­be Got­tes zu die­ser Welt, die in Tod und Auf­er­ste­hung sei­nes Soh­nes deut­lich wird und freu­en – nicht nur vor Ostern – bewusst an unse­rem Herrn!

A. H.