Nachgedacht zum Monatsspruch März 2020

Jesus Chris­tus spricht: Wachet!
(Mar­kus 13,37)

Am Ende des vori­gen Jah­res begeg­ne­te mir in Hes­sen ein Ehe­paar, das ich schon lan­ge ken­ne. Nach den übli­chen Begrü­ßungs­wor­ten erzähl­te die Frau von ihrem 42-jäh­ri­gen Sohn, dass er nun end­lich auch gehei­ra­tet habe. Sei­ne Braut ist aus Äthio­pi­en mit einem klei­nen Kind, und sie war­tet auf die Wie­der­kunft Jesu.

Spä­ter habe ich mich gefragt, was jemand von mir sagen wür­de, wenn er mich mit vier Eigen­schaf­ten vor­stel­len soll­te. Ich ver­mu­te, dass die Aus­sa­ge: »Er war­tet auf die Wie­der­kunft Chris­ti« nicht dabei wäre.

Jesus hat sei­nen Nach­fol­ge­rin­nen und Nach­fol­gern, sei­nen leben­di­gen Kin­dern, oft auf­ge­tra­gen, dass sie wachen soll­ten, weil sei­ne Wie­der­kunft ganz unver­mu­tet und plötz­lich gesche­hen wür­de. Daher ist das Wachen und War­ten für leben­di­ge Chris­ten ganz wich­tig!

Das eigent­li­che War­ten kann nun ganz ver­schie­de­ne Aus­prä­gun­gen haben.

  1. Es mag wohl Zei­ten in unse­rem Leben geben, in denen wir auf Jesus war­ten, wie man auf einen ange­mel­de­ten, lie­ben Gast war­tet; mit ent­spre­chen­den Vor­be­rei­tun­gen, mit stei­gen­der Span­nung, mit gro­ßer Vor­freu­de und mit häu­fi­gen Bli­cken auf den Kalen­der und auf die Uhr.
  2. In ande­ren Abschnit­ten unse­res Lebens machen wir viel­leicht beson­de­re Erfah­run­gen, die uns an Jesus und sei­ne Hil­fe erin­nern und mit Dank an ihn bin­den, sodass das Gebet nicht abreißt, son­dern uns tage­lang beschäf­tigt.
  3. Und dann gibt es auch die Lebens­pha­sen, in denen nichts Spek­ta­ku­lä­res geschieht, in denen sich unser Glau­be mit Aus­dau­er, Treue und guten Wer­ken an jedem neu­en Tag zei­gen muss. Da geht es dann um unser Bibel­stu­di­um, das kann ruhig auch ein­mal eine hal­be Stun­de dau­ern. Es geht um unser Gebet, das Gespräch mit Jesus Chris­tus, in dem er auch zu uns reden möch­te. Es geht um lie­be­vol­le Kon­tak­te zu Ver­wand­ten, Nach­barn und Freun­den, um ganz prak­ti­sche Hil­fen und um das Wei­ter­sa­gen der eige­nen Glau­bens­er­fah­run­gen.

Wenn wir so leben, dann lebt auch unser Glau­be. Denn an Jesus glau­ben, heißt ja, in einem leben­di­gen Kon­takt mit ihm ste­hen. Dabei gilt aber auch die Umkeh­rung: »Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.« (Jes. 7,9) Man könn­te es auch so for­mu­lie­ren: »Wacht und war­tet ihr nicht auf Jesus, dann bleibt ihr nicht!«

An die­ser Stel­le möch­te ich den Monats­spruch noch deut­li­cher als bis­her in den bibli­schen Zusam­men­hang im Mar­kus­evan­ge­li­um stel­len und damit auch zuspit­zen.

Das 13. Kapi­tel ist bei Mar­kus über­schrie­ben: »Jesu Rede über die End­zeit«. In der Luther­über­set­zung gibt es dar­in einen ers­ten Abschnitt über den »Anfang der Wehen«, dann folgt ein Absatz mit der Über­schrift »Die gro­ße Bedräng­nis«, dann folgt »Das Kom­men des Men­schen­sohns«, und zum Schluss lesen wir die »Mah­nung der Wach­sam­keit«.

Der Anfang der End­zeit ist zum Bei­spiel dar­in zu erken­nen, dass

  1. Krie­ge, Hun­gers­nö­te, Erd­be­ben und Seu­chen sich welt­weit aus­brei­ten wer­den, dass
  2. die Chris­ten welt­weit ver­folgt wer­den, dass
  3. Abfall vom Glau­ben und Ver­rat sich unter Chris­ten aus­brei­ten wer­den, dass
  4. viel­fach fal­sche Pro­phe­ten auf­tre­ten wer­den, und dass
  5. die Lie­be in vie­len Chris­ten erkal­ten wird.

Ein untrüg­li­ches Zei­chen für das her­an­na­hen­de Ende der End­zeit ist dann u.a. die Samm­lung Isra­els in Paläs­ti­na. 1958 begann die­ser Pro­zess, und jetzt, 72 Jah­re spä­ter, ist er immer noch in vol­lem Gan­ge.

In die­ser Situa­ti­on – zwi­schen Anfang und Ende der End­zeit – hin­ein spricht Jesus die Wor­te: »Sehr euch vor, wachet! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.« (Mar­kus 13,31) und »Was ich euch aber sage, das sage ich allen: Wachet!« (Mar­kus 13,37)

P.M.